Samstag, 17. August 2019

Notverkäufe Total zeigt Interesse an Teilen von BP

Total-Zentrale in Paris: Möglicher Gewinner der Ölpest
ASSOCIATED PRESS
Total-Zentrale in Paris: Möglicher Gewinner der Ölpest

Der französische Ölkonzern Total hat Interesse an den zum Verkauf stehenden Geschäftsfeldern des britischen Konkurrenten BP geäußert. Man wolle aber nicht als erster von der Notlage des Wettbewerbers profitieren. Im Kampf gegen die Ölpest setzt BP derweil auf ein taiwanisches Spezialschiff.

Paris/London - Total will sich die zum Verkauf stehenden Unternehmensteile von BP ansehen. "Wir müssen das prüfen, so wie wir stets jede Möglichkeit prüfen", sagte Vorstandschef Christophe de Margerie dem "Wall Street Journal" (Freitag). Er wolle aber nicht der erste sein, der aus der Notlage des Konkurrenten einen Vorteil zieht. BP braucht wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Geld. Durch Verkäufe von Beteiligungen und Geschäftsfeldern will das Unternehmen in diesem Jahr zehn Milliarden Dollar erlösen.

Ganz oben auf der Verkaufsliste steht Medienberichten zufolge etwa der 60-prozentige Anteil an der argentinischen Ölgesellschaft Pan America. Als Käufer wird unter anderem der staatliche chinesische Ölkonzern CNOOC gehandelt. Bei den Banken hat sich BP Börsen-Chart zeigen bereits in der vergangenen Wochen 20 Milliarden Dollar Kredite besorgt und Medienberichten zufolge weitere fünf Milliarden angefragt.

Total-Chef de Margerie betonte in der Zeitung, dass die Welt an der Ölförderung aus der Tiefsee festhalten müsse, um den Bedarf zu befriedigen. "Unsere Politik geht klar Richtung Null-Risiko", sagte der Manager. Dies werde auch zu höheren Kosten und bei neuen Projekten zu Verzögerungen führen. Er erwarte daher einen Anstieg der Ölpreise.

Ein umgerüsteter Supertanker soll derweil den Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko voranbringen. Die "A Whale" aus Taiwan könne täglich 500.000 Barrel (knapp 80 Millionen Liter) verdreckten Wassers aufnehmen und es vom Öl trennen, sagte eine Sprecherin der Küstenwache am Freitag. Während das Wasser wieder ins Meer geleitet wird, soll das abgeschöpfte Öl auf ein weiteres Schiff gepumpt werden.

Die Küstenwache will das 335 Meter lange Reinigungsschiff ab Samstag zwei Tage lang im Mississippi-Delta testen und dann entscheiden, ob es zur Bekämpfung der Ölpest eingesetzt werden kann. Im Golf von Mexiko waren zuletzt 500 Schiffe damit beschäftigt, Wasser vom Öl zu säubern. Der britische Öl-Multi BP müsste den Supertanker von der taiwanischen Reederei TMT anmieten. Beide Firmen machten keine Angaben zu den Kosten.

ak/dpa-afx/reuters

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