Samstag, 25. Mai 2019

Profifußball Management für die Champions League

Deutschlands Torjäger Lukas Podolski: Bisher zwei Tore im Turnier

Führen wie Jürgen Klinsmann: Kurz bevor die deutsche Fußballnationalmannschaft in die heiße Phase der Weltmeisterschaft  eintritt, startet manager magazin eine Serie über Managementtechniken in großen Unternehmen - und was die Chefs von den Fußballprofis lernen können.

Nicht erst, aber besonders seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 erlebt Fußball in der öffentlichen Wahrnehmung eine Renaissance. Speziell durch die Arbeit von Jürgen Klinsmann als Bundestrainer wurde das Augenmerk dabei immer wieder auf als fortschrittlich wahrgenommene Führungs- und Managementtechniken gelenkt. Doch worum handelt es sich bei diesen Techniken genau? Was ist daran so fortschrittlich? Darüber hinaus: wenn die Konzepte aus dem Fußball so wunderbar funktionieren, ist dann nicht eventuell auch ein Transfer in die Unternehmenswirklichkeit denkbar? Und weshalb ist Klinsmann mit seinen tollen Techniken dann bei den Bayern gescheitert?

Die Antwort lautet: Im Profifußball sind die Verantwortlichen auf allen Ebenen gezwungen, Gegensätze und Widersprüche zu balancieren. Der Profifußball ist in dieser Hinsicht insbesondere deshalb der Wirtschaft voraus, weil der Druck ungleich höher ist.

Denn Fußball ist ein enorm kurzfristiges Geschäft. Trainer werden bereits nach vergleichsweise kurzen Phasen von Erfolglosigkeit entlassen. Der durchschnittliche Bundesligatrainer verbleibt lediglich 13 Monate auf seinem Arbeitsplatz und spätestens am Saisonende, also einmal pro Jahr, wird aber eine Generalabrechnung vorgenommen, welche keinerlei Rücksicht auf Leistungen der Vergangenheit nimmt. Parallel sind viele Vereine jedoch zu langfristigen Planungen, etwa bei der Refinanzierung von Stadionneubauten, gezwungen.

Außerdem werden zunehmend Trainer eingestellt, welche bestimmte Spiel- oder Taktikphilosophien über eine längere Zeit entwickeln und ausbauen. Die Förderung der eigenen Jugend in speziell eingerichteten Ausbildungszentren soll sich langfristig in reduzierten Transferausgaben oder idealerweise sogar Transfer- und Punktgewinnen niederschlagen. Das alles beißt sich mit Kurzfristigkeit des Geschäfts natürlich ganz erheblich! Insofern besteht im Profifußball eine besonders starke Notwendigkeit, zwischen extrem langfristigen und kurzfristigen Bedürfnissen zu balancieren.

Dahinter versteckt sich die Frage, wie einerseits aktuell gute Ergebnisse erzielt werden können (im Fußball die funktionierende Profimannschaft) oder Produkte und Dienstleistungen voll auszuschöpfen sind (im Unternehmen die Cash Cows). Dies wird üblicherweise mit dem Begriff der Exploitation bezeichnet. Andererseits sollen parallel jedoch zukünftige Produkte und Dienstleistungen (im Fußball beispielsweise neue Sponsorenverträge, Nachwuchsstrategien oder Stadionumbauten, in Unternehmen neuartige Produkte und Dienstleistungen im engeren Sinne) entwickelt werden können. Dabei handelt es sich um die so genannte Exploration.

Die Fähigkeit einer Organisation (insbesondere eines Profivereines oder eines Unternehmens) zur gleichzeitigen Umsetzung von Exploitation und Exploration wird dabei zumeist Beidhändigkeit genannt. Diese Bezeichnung kommt nicht von ungefähr aus dem Sport, denn in vielen Sportarten ist Beidhändigkeit oder Beidfüßigkeit ein klarer Vorteil. Im Fußball wird nicht nur das jeweilige Schussbein, sondern auch ganz gezielt bereits in der Jugend der andere Fuß trainiert. Profis wie der ehemalige Herthaner Pantelic, der seit vielen Jahren beharrlich weigert, auch mal mit dem linken Fuß den Abschluss zu suchen, sind extrem selten. Aber nicht nur im Fußball, sondern auch in anderen Sportarten werden oftmals gezielt beide Arme oder Beine trainiert, um sich einen strategischen Vorteil zu verschaffen.

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