Donnerstag, 20. Juni 2019

Pay Performance BP-Chef verdient trotz Öldesaster prächtig

BP-Chef Tony Hayward: In der Energiebranche wird bestens verdient - unklar bleibt, ob die Managerleistung diese Topeinkommen rechtfertigt

Verdienen Europas Topmanager, was sie verdienen? manager magazin hat die Leistungs- und Gehaltsdaten der Unternehmenslenker untersucht. Das Ergebnis: BP-Chef Tony Hayward hat seit 2007 prächtig verdient, ebenso wie Shell-Lenker Peter Voser. Auch die Chefs von UBS und Credit Suisse freuten sich trotz mäßiger Leistung über Topgehälter.

Hamburg - Für Brady Dougan, den Chef des Schweizer Geldkonzerns Credit Suisse, ist die Welt wieder so wie sie früher einmal war. Früher heißt in diesem Fall vor dem Ausbruch des Finanzbebens Der Banker verdient beinahe wieder so viel wie in den guten alten Zeiten. Rund 12,5 Millionen Euro nahm Dougan im vergangenen Jahr mit nach Hause. Das ist nur rund eine Million Euro weniger als 2007, dem Jahr also, in dem die Welt zum ersten Mal großflächig die Existenz von Subprime-Krediten und Credit Default Swaps zur Kenntnis nahm.

Knapp 28 Millionen Euro verdiente der Credit-Suisse-Chef seither insgesamt. Zusammen mit seinen Kollegen im Vorstand des Geldhauses kam er von Anfang 2007 bis Ende 2009 auf eine Summe von insgesamt rund 260.000.000 Euro.

Was aber haben Dougan und Co. für die Aktionäre der Credit Suisse Börsen-Chart zeigen geleistet, die das Megagehalt am Ende ja bezahlen müssen? manager magazin hat zusammen mit Management-Professor Joachim Schwalbach von der Berliner Humboldt-Universität und renommierten Vergütungsexperten Leistungs- und Gehaltsdaten untersucht. In die Bewertung gehen sowohl die Börsen- als auch die Eigenkapitalrenditen ein (siehe Methodenkasten links). Auf diese Weise werden die Firmenlenker an ihrem Anspruch gemessen, Profitabilität und Aktienkurs zu steigern. Die Analyse zeigt, welche Unternehmensführer ihr Geld tatsächlich wert sind und wer trotz mäßiger Leistung prächtig kassiert.

Das Ergebnis der manager-magazin-Analyse spricht im Falle des Credit-Suisse-Topmanagements nicht gerade für ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis: Über drei Jahre gerechnet landet die Credit-Suisse-Spitze mit deutlichem Rückstand auf den nächst besser Platzierten auf dem vorletzten Rang. Nur das Topmanagement des Schweizer Erzrivalen UBS Börsen-Chart zeigen war bei einem Gesamtgehalt von immerhin auch noch knapp 98 Millionen Euro noch schlechter.

GlaxoSmithKline: Traumhafte Bezahlung, dreistellige Gesamtrendite

Aber selbst in der Leistungsbilanz des Jahres 2009, als die Credit Suisse eine nach Abzug der Eigenkapitalkosten zweistellige Rendite erwirtschaftete, reichte es lediglich für einen Platz im gesicherten Mittelfeld. Mit anderen Worten Dougan lieferte gemessen an seinem Spitzengehalt bestenfalls Mittelmaß.

Dass es auch anders geht, zeigt die Konzernspitze des britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline Börsen-Chart zeigen . In den vergangenen drei Jahren verdienten die beiden Konzernchefs Jean-Pierre Garnier (bis Mai 2008) und Andrew Witty mit insgesamt knapp 33 Millionen Euro sogar mehr als die Nummer eins der Credit Suisse.

Weil der britische Pharmakonzern allerdings in den vergangenen drei Jahren auch nach Abzug der Eigenkapitalkosten auf eine dreistellige Gesamtrendite kam, landeten Garnier und Witty in der langfristigen Leistungsbilanz sicher in den Top Ten.

Deutsche Topmanager abgeschlagen in Europas Leistungsranking

Im Vergleich zu den übrigen europäischen Topmanagern schneiden die deutschen im Stoxx vertretenen Konzernchefs relativ schwach ab. In der Leistungsbilanz des Jahres 2009 schaffte es kein deutscher Konzernvormann unter die ersten Zehn, in der Leistungsbilanz der vergangenen drei Jahre reichte es für Bayer-Lenker Werner Wenning und einstigen SAP-Chef Léo Apotheker gerade mal für die Ränge neun und zehn. Dagegen landeten die Chefs von Allianz Börsen-Chart zeigen , Daimler Börsen-Chart zeigen und Deutscher Bank Börsen-Chart zeigen auf den Rängen zwischen 40 und 50.

Insgesamt haben Europas Topmanager unter der Krise stärker gelitten als ihre deutschen Kollegen. Während das durchschnittliche Gehalt eines Stoxx-Konzernchefs seit Ende 2006 um 22 Prozent von durchschnittlich rund 7,2 Millionen auf gut 5,6 Millionen Euro sank, reduzierte sich das Gehalt der Dax-Konzernlenker nur um rund 15 Prozent von durchschnittlich 4,3 auf 3,6 Millionen Euro.

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