Montag, 9. Dezember 2019

AWD Maschmeyers Abrechnung

Wehende Fahnen: Die Zentrale des Finanzdienstleisters AWD in Hannover

Technokraten und Administratoren seien derzeit beim Finanzdienstleister AWD am Ruder, kritisiert dessen Gründer Carsten Maschmeyer. Mit Sparprogrammen und Umsatzvorgaben für eigene Produkte untergrabe der Mutterkonzern Swiss Life Unabhängigkeit und Motivation des AWD - und bereite womöglich sogar einen Verkauf vor.

Hannover - Man kann sagen, dass die Maschmeyer Rürup AG aus einem gewissen Trotz entstanden ist - denn eigentlich wollten Carsten Maschmeyer und Bert Rürup ihre Welt-Renten-Beratung, die Maschmeyer Rürup AG, unter dem Dach des AWD aufziehen. Den hatte Maschmeyer 2008 an die Swiss Life verkauft, als deren Großaktionär er heute im Verwaltungsrat sitzt. Maschmeyer hatte Rürup Mitte 2009 in die eigens neu geschaffene Position des Chefökonomen des Finanzvertriebs gehoben.

Die Ziele waren hoch gesteckt und so international, dass sie nur auf Englisch kommuniziert werden können: "Wir wollten Pension Leader und der größte Finanzvertrieb der Welt werden, deshalb haben wir Rürup verpflichtet", sagt Maschmeyer heute. Drei Monate später habe der AWD-Vorwand Rürup für zu teuer befunden und mit einer Abfindung nach Hause geschickt, statt ihn weiterzubeschäftigen.

Und das war nicht die einzige Sollbruchstelle für Maschmeyer. "Für den AWD hatten sich Commerzbank, Postbank, Axa und Swiss Life interessiert", sagt Maschmeyer, "Swiss Life hatte mir drei Zusagen gegeben: Die Unabhängigkeit von AWD sollte erhalten bleiben, ich sollte noch mindestens fünf Jahre als CEO an Bord bleiben, und es sollten Mittel bereitgestellt werden, MLP zu kaufen, um als neuer Vertriebsverbund an der DVAG vorbeizuziehen. Dann spitzte sich in der zweiten Hälfte 2008 die Finanzkrise zu. Alle drei Zusagen wurden zurückgenommen. Das war schon sehr bedauerlich."

Derzeit könne er sich des Eindrucks nicht erwehren, dass mit den Sparmaßnahmen beim AWD "letztlich die Braut geschmückt werden soll, vielleicht um sie gut verkaufen zu können", sagt Maschmeyer, der noch im Verwaltungsrat der Swiss Life sitzt. "Man hat leider nicht die Knie und den Rücken durchgedrückt, um trotz Finanzkrise die Motivation der Mitarbeiter hoch zu halten und auf Expansionskurs zu bleiben. Bei DVAG sind leidenschaftliche Vertriebler im Vorstand, bei AWD sind zurzeit mehr Technokraten und Administratoren am Ruder."

Maschmeyer: "Es war ein fairer Deal"

Vorwürfe, er habe seinerzeit den AWD zu teuer verkauft, weist Maschmeyer zurück. "Es war ein fairer Deal. Wenn sich nicht beide Teile einen Vorteil davon versprochen hätten, wäre es nicht dazu gekommen. Basis des Verkaufspreises war der gewichtete Aktienkurs in der Zeit vor dem Vertragsabschluss. Und diesen Kurs habe nicht ich festgelegt, sondern der Markt."

1,2 Milliarden Euro hatte Swiss Life 2008 für AWD bezahlt. Im Zuge der Finanzkrise war der Finanzdienstleister dann tief ins Minus gerutscht, und viele Berater hatten sich anderweitig orientiert. 54 Millionen Euro hatten die Schweizer im vergangenen Jahr in die neue Tochter gesteckt - und ihr gleichzeitig einen radikalen Sparkurs verordnet. Im ersten Quartal dieses Jahres schrieb AWD erstmals wieder schwarze Zahlen und gab ein Betriebergebnis (Ebit) von 9,8 Millionen Euro bekannt.

Maschmeyer äußert trotzdem Zweifel an dem Sparprogramm: "Bis 2011 sollen 400 Millionen Euro eingespart werden. Ich habe Zweifel, ob das der richtige Weg ist, um einen Vertrieb, der immer Anreize braucht, zu motivieren." Kritik übt er auch an der Umsatzpolitik der Swiss Life: "Wenn man bedenkt, dass AWD über 100 Produktpartner hat, ist der von Swiss Life kommunizierte Anspruch, einen Umsatzanteil von 25 Prozent anzustreben, problematisch. Eine solche offen kommunizierte Vorgabe wirkt fast so, als wenn ein AWD-Berater einen potenziellen Kunden mit 'Guten Tag, ich komme von der Swiss Life' begrüßt."

Dennoch, betont Maschmeyer, habe er ein "ausgezeichnetes Verhältnis" zu den anderen Großaktionären der Swiss Life. "Aus der Tatsache, dass ich mich mit einem dreistelligen Millionenbetrag aus dem Verkaufserlös des AWD an der Swiss Life beteiligt habe, sollte man eigentlich erkennen, dass ich in der Übernahme des AWD ein gutes Investment dieser Versicherung gesehen habe. Wenn es dem AWD gut geht, geht es auch Swiss Life gut."

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