Sonntag, 21. Juli 2019

Maschmeyer Rürup AG Die Weltverrenter

Rentenkonzepte für die Welt: Carsten Maschmeyer und Bert Rürup
MaschmeyerRürup AG
Rentenkonzepte für die Welt: Carsten Maschmeyer und Bert Rürup

2. Teil: Rürup: "Maschmeyer kann Märkte riechen"

Dass in der privaten Altersvorsorge viel Geld für die Leute steckt, die sie entwickeln und an den Mann bringen, hat das deutsche Modell jedenfalls überzeugend gezeigt. Eine "sprudelnde Ölquelle" sei dieses Geschäftsfeld, hatte Maschmeyer vor einigen Jahren gesagt - mittlerweile laufen allein mehr als 13,6 Millionen Riester-Verträge in Deutschland, an denen die Finanzvertriebe kräftig verdient haben.

"Die Vorsorgemärkte in Deutschland sind noch keineswegs gesättigt", sagt Maschmeyer, "allerdings wird der Wettbewerb hier zunehmend härter. Die Bevölkerung wird mittelfristig zurückgehen und vor allem älter werden. Und bei älteren Menschen ist der Planungshorizont kürzer als bei jüngeren - mit der Folge, dass es perspektivisch schwieriger wird, Rentenprodukte zu vertreiben."

Im Ausland dagegen ist der Markt noch jung und frisch. "Es mag sich vermessen anhören, aber wir haben schon vor, ein bisschen Finanzgeschichte zu schreiben nach dem Motto 'Bei der Neuorganisation der Altersvorsorge in China haben wir mitgemacht' oder 'Wir waren ein Geburtshelfer bei einer Art Riester-Rente in der Türkei'", erklärt Maschmeyer. Die Aufgabenverteilung ist dabei klar: Vertriebspapst Maschmeyer soll für die Auftraggeber Vorschläge zum Aufbau der Vertriebsstruktur, zur Mitarbeitermotivation und zu Vergütungsstrukturen ausarbeiten, Rürup die Produkte selbst entwickeln.

Fragt man den emeritierten Wirtschaftsprofessor Rürup, wie die Zusammenarbeit mit dem extrovertierten Jetsetter Maschmeyer klappt, bei so unterschiedlichen Charakteren, zeigt er seine Visitenkarte und fragt, was einem daran auffalle. Er freut sich, wenn man nicht gleich darauf kommt. Winzige Feinheiten in der Typografie sollen transportieren, wie gut er und Maschmeyer sich ergänzen.

Der kühle Rechner und der mitreißende Charismatiker

"Carsten Maschmeyer hat eine sehr hohe emotionale Intelligenz, und er kann Märkte riechen", erklärt Rürup, "ich bin mehr der kühle, strukturiert denkende Analytiker und weniger ein Bauchmensch. Wenn Sie sich die Visitenkarte ansehen, kommt dieser Unterschied im Schriftbild zum Ausdruck. Der Name Maschmeyer ist in einer Serifenschrift gesetzt und der Name Rürup in einer sehr technischen Type."

Der kühle Rechner Rürup und der mitreißende Charismatiker Maschmeyer - so sieht sich das Duo. Allerdings legt Maschmeyer selbst Wert auf eine gewisse Konsolidierung seines Images: "Ich habe ein enges freundschaftliches Verhältnis zu Gerhard Schröder. Vor ein paar Jahren hat er mich einmal beiseite genommen und gesagt: 'Du bist jetzt an einer Weggabelung und musst dich entscheiden, ob du ein schillernder Lebemann oder ein seriöser Finanzunternehmer und Finanzberater werden willst.' Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden."

Das Logo seiner neuen Firma ist allerdings ungewollt ambivalent. Der Delfin soll laut Werbebroschüre "Symbol für einen intelligenten, aufgeschlossenen, anpassungsfähigen und dynamischen Freund des Menschen" sein. Bei Wikipedia liest man hingegen: "Delfine sind schnelle Raubtiere, die ihre Beute aktiv jagen."

Seinen Jagdinstinkt hat Maschmeyer jedenfalls nicht verloren. Nachdem ihm Finanzkrise und Swiss Life einen Strich durch den Plan gemacht haben, mit AWD den weltgrößen Finanzdienstleister auf die Beine zu stellen, will er jetzt weltweit mit der wendigen kleinen Maschmeyer Rürup AG ein großes Rad drehen.

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