Ölkatastrophe Hayward gibt Krisenmanagement ab

Der britische Energiekonzern BP nimmt seinen Vorstandschef Tony Hayward aus der Schusslinie. Um die Bewältigung der Ölkatastrophe soll sich nun vor allem Bob Dudley kümmern. Gerüchte um einen bevorstehenden Rücktritt Haywards dementiert der Konzern.
Vor dem Kreuzverhör: BP-Chef Tony Hayward auf dem Weg zur Anhörung im US-Kongress

Vor dem Kreuzverhör: BP-Chef Tony Hayward auf dem Weg zur Anhörung im US-Kongress

Foto: Jim Lo Scalzo/ dpa

Lonon - Hayward werde jetzt "die Geschäfte an Bob Dudley übergeben, er wird häufiger zuhause und dort und hier sein", sagte BP-Aufsichtsratschef Carl-Henrik Svanberg am Freitagabend dem Sender Sky News. Hayward solle sich fortan stärker im Hintergrund halten. Eine BP-Sprecherin wies am Abend die Darstellung des Senders zurück, dass Hayward zurücktritt. Svansbergs Interview-Aussage sei "sehr missverständlich" gewesen.

Dudley ist seit vergangenem Jahr geschäftsführender Direktor des Ölkonzerns. Er übernimmt die neu gegründete BP-Organisation, die sich um die Ölpest kümmert. Zuvor hatte er das russisch-britische Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP geleitet, der drittgrößte Öl- und Gasproduzent in Russland. Dudley wurden wegen eines andauernden Konflikts zwischen den beiden Haupteigentümern des Landes verwiesen.

Aufsichtsratschef Svanberg sagte, auch er wolle sich nun persönlich stärker um das Problem kümmern, nachdem es politische, finanzielle und rufschädigende Ausmaße angenommen habe. "Da sich dies nun in eine andersgeartete Krise verwandelt, komme ich ins Spiel", sagte er. "Solange wir diese Quelle nicht geschlossen haben und uns darum kümmern, wird es viele Anlässe zur Kritik geben." Die Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April mit elf Toten bezeichnete er als "einen wenig wahrscheinlichen Unfall mit sehr großen Folgen".

Hayward hatte am Mittwoch vor dem US-Kongress ausgesagt. Dort bezog er zu seinem Krisenmanagement Stellung. Er nannte den Unfall "schrecklich" und versprach, die Sache "in Ordnung zu bringen". Hayward habe bereits acht Wochen Zeit gehabt, sagte der Aufsichtsratschef dagegen nun in dem Fernsehinterview. "Jeder dachte, es würde schneller geschehen". Hayward habe mit seinen Aussagen die Amerikaner "verärgert". Zu seinen kontroversesten Äußerungen zählte die Forderung: "Ich möchte mein Leben zurück". Das sagte er vor Reportern im US-Bundesstaat Louisiana im Zusammenhang mit einer Entschuldigung für die Umweltkatastrophe bei Einheimischen.

Der 53-jährige Hayward kam 1982 als Ingenieur zu BP. Vor drei Jahren wurde er Chef des Ölriesen und versprach, den Energieproduzenten grundlegend umzubauen. Er wollte BP wieder ein besseres Image verpassen. Die grün-gelbe Sonne des Firmenlogos sollte für Umweltbewusstsein und Ressourcenschonung strahlen. US-Medien hatten Hayward zum "Gesicht der Ölpest" erklärt.

la8DPA-AFX7/reuters
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