Ölpest Ratingagenturen stufen BP weiter herunter

Die Finanzwelt scheint uneins darüber, wie gut BP die Katastrophe im Golf von Mexiko bewältigen wird. Während Analysten zuversichtlich sind, dass der Ölkonzern die Kosten für den Schaden leicht schultern kann, sind die Rating-Agenturen skeptisch: Sie stuften BP erneut herunter.
BP bald abgebrannt? Löschversuche an der Ölplattform Deepwater Horizon im April

BP bald abgebrannt? Löschversuche an der Ölplattform Deepwater Horizon im April

Foto: REUTERS/ U.S. Coast Guard

New York/Washington/London - Angesichts der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gerät der Ölkonzern BP auch von Finanzseite weiter unter Druck. Gleich zwei Rating-Agenturen korrigierten am Donnerstag und Freitag ihre Einstufung für die Kreditwürdigkeit des Unternehmens nach unten. Die Agentur Moody's tat dies bereits zum zweiten Mal - und vergab diesmal eine gleich drei Stufen niedrigere Note.

Moody's senkte die Note von BP von Aa2 auf A2. Die Rating-Agentur begründete diese Entscheidung mit den sich "verschlimmernden Auswirkungen" der Ölkatastrophe nach der Katastrophe auf der Ölplattform "Deepwater Horizon". Die Kosten durch die Umweltschäden des auslaufenden Öls beeinträchtigten die gesamte Finanzlage des Konzerns, erklärte Moody's. Die Agentur hatte die Note des Ölkonzerns erstmals Anfang Juni herabgesetzt.

Zuvor hatte Standard & Poor's als letzte der großen Agenturen die Noten für die Kreditwürdigkeit von BP gesenkt. S&P begründete die Entscheidung mit den "Herausforderungen und Ungewissheiten", vor denen BP wegen der Ölkatastrophe stehe. Die Rating-Agentur stufte BP von AA- auf A ab. Erst am Dienstag hatte auch die Rating-Agentur Fitch zum zweiten Mal die Kreditwürdigkeit des Unternehmens abgesenkt - um sechs Stufen auf BBB.

Wie hoch der Schaden durch die Ölpest tatsächlich sein wird, ist derzeit kaum abzuschätzen. Der Finanzminister des am stärksten betroffenen US-Bundesstaats Louisiana, John Kennedy, fürchtet, dass sie gar die 100-Milliarden-Grenze erreichen könnte. Allein in seinem Bundesstaat summierten sich die täglichen Lohnausfälle für Arbeiter durch die Ölpest auf 100 Millionen bis 150 Millionen Dollar.

BP hat auf Druck der US-Regierung zugestimmt, 20 Milliarden Dollar in einen unabhängig verwalteten Fonds einzuzahlen, mit dem auch die Aufräumarbeiten finanziert werden sollen. Damit erfüllte der britische Konzern eine zentrale Forderung von US-Präsident Barack Obama. Die Summe, die BP auf vier Jahre verteilt bereitstellen will, soll jedoch keine Obergrenze darstellen.

"Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem strömen täglich bis zu 60.000 Barrel Öl aus dem lecken Bohrloch in 1500 Metern Tiefe. Das entspricht etwa 9,5 Millionen Liter. Aber auch diese Schätzung ist mit großen Unsicherheiten behaftet.

Bei einem Auftritt im US-Kongress entschuldigte sich BP-Chef Tony Hayward für die Ölkatastrophe. Kritik erntete Hayward nach seiner Erklärung, dass er vor Abschluss der Untersuchungen nichts über die Gründe des Vorfalls sagen könne. Die demokratische Abgeordnete Kathy Castor forderte BP auf, personelle Konsequenzen zu ziehen: "Niemand bei BP ist bislang gefeuert worden", sagte sie nach der Anhörung. "Es ist Zeit, dass Köpfe rollen."

mik/mamk/afp/reuters
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