Sonntag, 15. Dezember 2019

Banken und Stresstests "Kein Raum für Fehlinterpretationen"

Frankfurter Bankendistrikt: Praktisch jedes Detail eines Stresstests bedarf der Interpretation

Der Bankenverband hat seinen Widerstand gegen die Veröffentlichung von Stresstests aufgegeben. Es dürfe jedoch "keinen Raum für Fehlinterpretationen" geben, heißt es nun. In der Branche wächst die Unruhe: Ein Ranking, welche Bank besonders krisenfest sei, ist für die Institute ein Graus.

Hamburg - Der Bundesverband deutscher Banken hat seinen Widerstand gegen öffentliche Stresstests aufgegeben. "Unser Verband hat seine Position zu diesem Thema geändert", sagte eine Sprecherin der Organisation auf Anfrage von manager magazin. Man spreche sich nicht mehr prinzipiell gegen die Veröffentlichung von Stresstests aus, mit denen die EU Banken auf ihre Krisenfestigkeit geprüft hat. Die europäischen Staats- und Regierungschefs hatten am Donnerstag Abend entschieden, die Ergebnisse der jüngsten Stresstests zu veröffentlichen.

Die Veröffentlichung der Daten könne das Vertrauen an den Märkten fördern, betont der Bankenverband. Aber: "Sie muss so erfolgen, dass kein Raum für Fehlinterpretationen besteht", so die neue Position.

Der Kurswechsel folgt einem politischen Schwenk. Auch die Bundesregierung hatte bereits vor der Entscheidung der europäischen Regierungschefs durchblicken lassen, dass sie es für denkbar hält, Banken-Stresstests publik zu machen. Den EU-Partnern und G7-Staaten habe man signalisiert, dass man "grundsätzlich dafür" sei, hieß es in Medienberichten unter Berufung auf das Finanzministerium.

Vor allem Spanien hatte eine Offenlegung der Tests gefordert, die die Zentralbanken mit den öffentlichen und privaten Banken durchführen, um früh drohende Krisen zu erkennen. Die spanische Regierung will damit dem Verdacht entgegentreten, der spanische Finanzsektor sei unterfinanziert.

Noch in Zeitungsartikeln vom Donnerstagmorgen, etwa in der "Financial Times Deutschland" war der Bundesverband deutscher Banken zitiert worden, der Sinneswandel der Bundesregierung sei "weder sinnvoll noch rechtlich möglich". Als Hauptgrund wurde auch schon dort die Gefahr von Fehlinterpretationen genannt.

Wie ein Stresstest abläuft: "Jedes Ergebnis bedarf einer Einordnung"

Ob die neue Linie im Ergebnis etwas ändert, ist freilich offen. Zwar will keine Bank offiziell Stellung zu der Debatte beziehen. Hinter vorgehaltener Hand machen Banker aber deutlich, wie groß ihre Vorbehalte sind. Ein hochrangiger Vertreter einer Frankfurter Bank erklärte gegenüber manager magazin, dass die Ergebnisse praktisch jedes Stresstests einer Einordnung bedürften.

Zu vielfältig seien die Annahmen, unter denen die verschiedenen Krisenszenarien durchgespielt werden. Ein Stresstest laufe nicht so ab, dass die Zentralbank die Bedingungen formuliert und die getestete Bank wenig später die Ergebnisse einreicht. Es entwickele sich ein Dialog zwischen beiden Institutionen mit zahlreichen Nachfragen der Zentralbank.

Das dortige Fachpersonal könne die vielfältigen Informationen sehr gut verwerten. Für eine vergleichende Veröffentlichung sei das Verfahren der Tests aber einfach zu wenig standardisiert. Ein Ranking gar wäre "methodischer Blödsinn" und der Branche "ein Graus".

Wie sich der Bankenverband eine Veröffentlichung vorstellt, die Missverständnisse ausschließt, bleibt indes offen. Die Verbandssprecher konnten dazu auf Nachfrage nichts sagen. Vorstand und Geschäftsführung weilten auf einer Klausurtagung in Brandenburg.

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