Samstag, 7. Dezember 2019

Entschädigungsfonds BP dreht den Geldhahn auf

BP-Chef Tony Hayward: Der Konzern wird Investitionen drosseln, Unternehmensteile verkaufen und die Dividende kappen, um den 20-Milliarden-Dollar-Entschädigungsfonds zu finanzieren

Ein Entschädigungsfonds in Höhe von 20 Milliarden Dollar, dazu der Verzicht auf Dividende zunächst bis Jahresende: BP hat verdeutlicht, wie stark sich die Ölpest auf die Bilanzen und die Strategie des Konzerns auswirken wird. Was Aktionäre normalerweise in die Flucht schlägt, erzielt am Finanzmarkt die gegenteilige Wirkung: BP habe endlich für Klarheit gesorgt, heißt es.

London - Die Einzahlung von 20 Milliarden Dollar in den US-Fonds zur Entschädigung der Ölpestopfer werde sich über dreieinhalb Jahre hinziehen, teilte der Ölmulti am Donnerstag in London mit. Im dritten Quartal werden demnach drei Milliarden Dollar überwiesen, im vierten Quartal zwei Milliarden Dollar. Bis Ende 2013 werde BP anschließend pro Quartal 1,25 Milliarden Dollar einzahlen. Solange der Zahlungsplan läuft, will BP genauso viel Geld beiseitelegen.

Aus dem Treuhandfonds sollen "berechtigte Forderungen" beglichen werden. Dazu zählen laut BP-Angaben Zerstörungen der natürlichen Ressourcen und Kosten für staatliche und regionale Einsätze.

Geldbußen und Strafmaßnahmen sind ausgenommen. Wer wie viel Geld aus dem Fonds erhält, sollen eine unabhängige Schadensersatzbehörde, Gerichte oder BP selbst entscheiden. Sollte Geld übrig bleiben, erhält BP es zurück.

Die Streichung der Dividenden an die BP-Aktionäre gelte zunächst nur für die ersten drei Quartale dieses Jahres. Über eine Zahlung für das vierte Quartal wird im kommenden Frühjahr entschieden, wenn der Geschäftsbericht vorgelegt wird. Bis dahin wolle der Konzern ein klareres Bild über die eigenen Langzeitfolgen der Explosion seiner Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April mit elf Toten haben.

BP schätzt Einnahmen für 2010 auf 30 Milliarden Dollar

Ohne die Belastungen der Ölpest rechnet der Konzern in diesem Jahr mit mehr als 30 Milliarden Dollar aus der Förderung und Produktion. Im vergangenen Jahr waren es 24,8 Milliarden Dollar. Um die verfügbaren Geldmittel zu erhöhen, will der Aufsichtsrat Investitionen deutlich drosseln und geplante Veräußerungen auf rund 10 Milliarden Dollar in den kommenden zwölf Monaten erhöhen.

Mit diesen Maßnahmen hätten BP und seine Teilhabe mehr Klarheit, sagte Aufsichtsratschef Carl-Henric Svanberg laut Mitteilung. "Diese Vereinbarung (mit US-Präsident Barack Obama) ist ein sehr entscheidender Schritt, um unseren Beitrag zu klären und zu bekräftigen, damit wir unseren Verpflichtungen nachkommen."

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