Entschädigungsfonds BP dreht den Geldhahn auf

Ein Entschädigungsfonds in Höhe von 20 Milliarden Dollar, dazu der Verzicht auf Dividende zunächst bis Jahresende: BP hat verdeutlicht, wie stark sich die Ölpest auf die Bilanzen und die Strategie des Konzerns auswirken wird. Was Aktionäre normalerweise in die Flucht schlägt, erzielt am Finanzmarkt die gegenteilige Wirkung: BP habe endlich für Klarheit gesorgt, heißt es.
BP-Chef Tony Hayward: Der Konzern wird Investitionen drosseln, Unternehmensteile verkaufen und die Dividende kappen, um den 20-Milliarden-Dollar-Entschädigungsfonds zu finanzieren

BP-Chef Tony Hayward: Der Konzern wird Investitionen drosseln, Unternehmensteile verkaufen und die Dividende kappen, um den 20-Milliarden-Dollar-Entschädigungsfonds zu finanzieren

Foto: Sean Gardner/ AFP

London - Die Einzahlung von 20 Milliarden Dollar in den US-Fonds zur Entschädigung der Ölpestopfer werde sich über dreieinhalb Jahre hinziehen, teilte der Ölmulti am Donnerstag in London mit. Im dritten Quartal werden demnach drei Milliarden Dollar überwiesen, im vierten Quartal zwei Milliarden Dollar. Bis Ende 2013 werde BP anschließend pro Quartal 1,25 Milliarden Dollar einzahlen. Solange der Zahlungsplan läuft, will BP genauso viel Geld beiseitelegen.

Aus dem Treuhandfonds sollen "berechtigte Forderungen" beglichen werden. Dazu zählen laut BP-Angaben Zerstörungen der natürlichen Ressourcen und Kosten für staatliche und regionale Einsätze.

Geldbußen und Strafmaßnahmen sind ausgenommen. Wer wie viel Geld aus dem Fonds erhält, sollen eine unabhängige Schadensersatzbehörde, Gerichte oder BP selbst entscheiden. Sollte Geld übrig bleiben, erhält BP es zurück.

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Chronologie: Das Öldrama im Golf von Mexiko

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Die Streichung der Dividenden an die BP-Aktionäre gelte zunächst nur für die ersten drei Quartale dieses Jahres. Über eine Zahlung für das vierte Quartal wird im kommenden Frühjahr entschieden, wenn der Geschäftsbericht vorgelegt wird. Bis dahin wolle der Konzern ein klareres Bild über die eigenen Langzeitfolgen der Explosion seiner Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April mit elf Toten haben.

BP schätzt Einnahmen für 2010 auf 30 Milliarden Dollar

Ohne die Belastungen der Ölpest rechnet der Konzern in diesem Jahr mit mehr als 30 Milliarden Dollar aus der Förderung und Produktion. Im vergangenen Jahr waren es 24,8 Milliarden Dollar. Um die verfügbaren Geldmittel zu erhöhen, will der Aufsichtsrat Investitionen deutlich drosseln und geplante Veräußerungen auf rund 10 Milliarden Dollar in den kommenden zwölf Monaten erhöhen.

Mit diesen Maßnahmen hätten BP und seine Teilhabe mehr Klarheit, sagte Aufsichtsratschef Carl-Henric Svanberg laut Mitteilung. "Diese Vereinbarung (mit US-Präsident Barack Obama) ist ein sehr entscheidender Schritt, um unseren Beitrag zu klären und zu bekräftigen, damit wir unseren Verpflichtungen nachkommen."

Aktie steigt: "Klarheit und Chance zur Entspannung"

Die Aktien von BP haben am Donnerstag mit deutlichen Kursgewinnen auf die angekündigte Dividendenstreichung sowie einen Treuhandfonds für die Opfer aus der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko reagiert. Zeitweise sprangen die Titel des britischen Ölkonzerns um knapp 10 Prozent hoch. Damit waren sie bester Wert im Londoner Leitindex FTSE 100, der zeitgleich 0,61 Prozent auf 5.269,89 Punkte gewann.

Analysten sprachen von einem "Schritt in die richtige Richtung" und versprachen sich von diesen Maßnahmen eine Entspannung der Lage. Zudem herrschte wie bereits an den vergangenen Tage die Einschätzung vor, dass BP die Kosten für die Folgen der Katastrophe stemmen kann.

Analyst Fadel Gheit von Oppenheimer & Co in New York geht dennoch davon aus, dass BP-Chef Tony Hayward bei der heute anstehenden Anhörung vor dem US-Kongress einen schweren Stand haben wird. Der Treuhandfonds über 20 Milliarden Dollar und die Streichung der Dividende seien aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Analysten: Verschuldungsgrad bleibt akzeptabel

Die UBS senkte ihr Kursziel für die Papiere von 580 auf 525 Pence und die Dividendenschätzung für 2010 um 78 Prozent, blieb aber bei der Anlageempfehlung "Buy". BP habe angesichts der beispiellosen Katastrophe geradezu drakonische Maßnahmen akzeptiert, um sein wichtiges US-Geschäft zu schützen, schrieb Analyst Jon Rigby. Die rechtliche Durchsetzbarkeit dieser Maßnahmen sei zwar schwierig. Er hoffe aber, dass sie den Grundstein für eine Normalisierung der Beziehungen zur US-Regierung legten, da der Druck aus Washington sich verheerend auf den Aktienkurs ausgewirkt habe.

In einer Studie von JPMorgan hieß es, selbst unter Einbeziehung hoher Strafen sowie des unabhängigen Kompensationsfonds, der Lohnausgleichszahlungen für die Arbeitskräfte am Golf von Mexiko vorsehe, bleibe der Verschuldungsgrad noch im Rahmen der vom Management angepeilten Spanne. Damit sei BP nach wie vor in einer finanziell starken Position.

la/reuters/dpa
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