Mittwoch, 11. Dezember 2019

BP-Chef Hayward "Ich bin am Boden zerstört"

BP-Chef Tony Hayward: Die Katastrophe tut ihm "zutiefst leid"

Auf Druck der US-Regierung will BP einen 20 Milliarden Dollar schweren Hilfsfonds für die Opfer der Ölpest finanzieren. In einer schriftlichen Erklärung entschuldigt sich CEO Tony Hayward und gibt zu, dass die Sicherheitsmaßnahmen bei Tiefseebohrungen nicht ausreichen. In diesem Jahr wird der Konzern keine Dividende mehr zahlen.

Washington - BP-Chef Tony Hayward ist nach eigenen Angaben wegen der Explosion der Bohrinsel mit elf Toten und der anschließenden Ölpest am Golf von Mexiko "am Boden zerstört". Es tue ihm "zutiefst leid", dass die Katastrophe passiert sei, heißt es nach US-Medienberichten in einer schriftlichen Erklärung, die er für seinen Auftritt am Donnerstag vor einem Kongressausschuss vorbereitet hat.

In dem Papier, über das der Sender CNN am Mittwoch vorab berichtete, gibt Hayward ferner zu, dass die Sicherheitsmaßnahmen und -technologien bei Tiefseebohrungen "deutlich" verbessert werden müssten. Er erklärt, dass die Katastrophe "niemals hätte geschehen dürfen". BP werde tun, "was wir können, um sicherzustellen, dass das nicht noch einmal passiert".

Bereits zuvor hatte sich der britische Konzern bereiterklärt, einen Treuhandfonds im Umfang von 20 Milliarden Dollar einzurichten: Aus diesem Topf sollen die Ölpest-Opfer entschädigt werden. Außerdem will BP 100 Millionen Dollar für Ölarbeiter bereitstellen, die durch die Katastrophe arbeitslos geworden sind. Diese Maßnahmen wurden bei einem Treffen mit Präsident Barack Obama am Mittwoch im Weißen Haus vereinbart, an dem der Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Henric Svanberg und auch Hayward teilnahmen.

Dividendenzahlung fällt aus

Anschließend teilte Svanberg mit, dass BP angesichts der Kosten der Katastrophen mindestens für drei Quartale keine Dividende an seine Teilhaber auszahlen wird. Er entschuldigte sich außerdem im Namen der BP-Beschäftigten für die Tragödie.

Trotz dieser Schritte kommt auf Hayward am Donnerstag ein schwerer Gang zu: Der BP-Chef muss sich bei der geplanten Anhörung im Energie- und Handelsausschuss des Abgeordnetenhauses auf einen Sturm der Kritik einstellen. Hayward ist in den acht Wochen seit Beginn der Katastrophe in den USA sozusagen zum "Gesicht der bösen BP" geworden. Nicht nur spielte er das Ausmaß des Desasters zunächst herunter, er beklagte sich auch darüber, wie zeitaufwändig der Kampf gegen die Katastrophe sei: "Ich will mein Leben zurückhaben." Obama selbst war so wütend auf Hayward, dass er noch vor kurzem in einem Interview sagte, dass er den BP-Chef schon längst gefeuert hätte - wenn er es könnte.

In seiner vorbereiteten Erklärung zum Auftakt der Anhörung entschuldigt sich auch Hayward nun, so der Sender CNN: "Ich begreife die schreckliche Realität der Situation voll und ganz." Die Unglücksursache ist nach seinen Worten noch nicht geklärt. Der BP- Chef spricht von einem komplexen Vorfall und einer noch nie dagewesenen Kombination von Problemen. Seine "Trauer" über das Unglück sei mit jedem Tag gewachsen, schildert er weiter.

mamk/dpa-afx

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