Familienunternehmen Standort Deutschland nur Mittelmaß

Wie attraktiv ist Deutschland als Standort für Familienunternehmen? In einer Studie des ZEW kommt die Bundesrepublik nur auf Platz 11 unter 18 Staaten. Die Autoren kritisieren unter anderem die vielen Vorschriften hierzulande und die Erbschaftsteuer, die es dem Mittelstand unnötig schwer mache.
Studie: Familienunternehmen finden in Deutschland nur mäßige Bedingungen vor

Studie: Familienunternehmen finden in Deutschland nur mäßige Bedingungen vor

Foto: DDP

München - Im jährlich vorgelegten Länderindex der Stiftung Familienunternehmen belegt Deutschland erneut den elften von 18 Plätzen. Damit rangiert die Bundesrepublik gerade einmal im unteren Mittelfeld. Die Lobby mittelständischer Unternehmer bewertet mit dem Index die Standortbedingungen in EU-Staaten und den USA.

Die Bundesrepublik hat ihre Position im Vorjahresvergleich nominell halten können. Allerdings wurde in der neuen Ausgabe des Indexes eine neue Kategorie eingeführt. Erstmals wurde die Krisenanfälligkeit der Staaten bewertet. Damit soll bewertet werden, wie wahrscheinlich Krisen in den jeweiligen Staaten sind und wie gut sie für gewöhnlich verarbeitet werden. Mit dem fünften Platz in diesem Teilindex schneidet Deutschland recht gut ab. Ohne diese neue Kategorie wäre die Bundesrepublik im Gesamtranking also noch deutlicher abgefallen.

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Rangliste: Die besten 18 Staaten für Familienunternehmen

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Daneben untersuchen die Autoren vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und von Calculus Consult, die die Studie für die Stiftung erstellt haben, die Bereiche Steuern, Arbeitskosten, Produktivität, Humankapital, Regulierung, Finanzierung sowie die öffentliche Infrastruktur.

In keinem Bereich kommt Deutschland über das Mittelfeld hinaus. In punkto Regulierung landet die Bundesrepublik sogar auf dem vorletzten Rang. Nur Österreich schneidet aus Sicht der Familienunternehmen noch schlechter als Deutschland ab. Bestplatziertes Vorbild sind in diesem Teilbereich die USA, wo eher prozessiert wird als reguliert.

Die Ergebnisse entsprechen weitestgehend den politischen Forderungen, für die der Verband eintritt: Um Deutschland für Familienunternehmen attraktiver zu machen, müssten die hiesigen Arbeits- und Nebenkosten sinken; in diesem Bereich wird nur der drittletzte Platz erreicht. Ebenso soll die Regulierungsdichte in den Bereichen Arbeitsmarkt, Produktmarkt und Mitbestimmung sinken sowie generell die Kostenbelastung der Unternehmen.

Glimpflich schneidet Deutschland beim Kapitel Steuern ab. Demnach ist die Besteuerung nationaler Geschäftstätigkeiten seit 2008 vergleichsweise moderat geworden. Allerdings sei sie bei internationalen Geschäften weiterhin hoch für Familienunternehmen. Besonders die neuen Erbschaftsteuerregeln stoßen auf Kritik. Im Steuerbereich müssen auch die USA Federn lassen, weil sie die höchste effektive Erbschaftsteuerbelastung aufweisen.

Bedenklich finden die Autoren, dass Deutschland in der Kategorie Finanzierung im Vorjahresvergleich um vier Plätze abgerutscht ist. Dies sei vor allem Verschlechterungen in der Kreditversorgung und beim Gläubigerschutz geschuldet. Drei Rangstufen fiel die Bundesrepublik außerdem bei der Bewertung der Infrastruktur ab.

mamk
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