Sonntag, 22. September 2019

Businessjets Wo die Freiheit nicht grenzenlos ist

Scharfe Kurve: Die Hersteller von Businessjets blicken optimistisch in die Zukunft - doch es ziehen Wolken auf
Cessna Aircraft
Scharfe Kurve: Die Hersteller von Businessjets blicken optimistisch in die Zukunft - doch es ziehen Wolken auf

Während der Krise war der Flug im Businessjet für viele Manager tabu. Nun heben wieder mehr Wirtschaftslenker in Privatmaschinen ab. Hersteller wie Cessna, Embraer und Honda wollen an die goldenen Zeiten vor dem Lehman-Kollaps anknüpfen - doch der Traum vom Massengeschäft droht zu platzen.

Hamburg/Berlin - Wenn Hans-Henning Romberg an die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland denkt, beginnen seine Augen noch immer zu glänzen. "Etwa 300 Businessjets waren am Finaltag in Berlin", erinnert sich der Geschäftsführer der German Business Aviation Association. Es war so etwas wie der gefühlte Höhepunkt des rasanten Aufstiegs der Branche, der mit dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008 jäh zum Erliegen kam.

Kaum ein Manager wollte fortan den Businessjet freigiebig nutzen. Das Symbol des Aufschwungs und der Globalisierung verwandelten sich gerade in den USA in ein Symbol für Abgehobenheit und Ignoranz. Die Chefs der US-Autobauer mussten nach harscher Kritik an ihren Flügen per Limousine aus Detroit nach Washington anreisen, um dort um Staatshilfe zu bitten. Anschließend verkauften die Big Three sogar ihre Jets. Hersteller wie Eclipse flogen sogar in die Pleite, andere wie Cessna legten große Entwicklungsprojekte auf Eis.

Ihr großes Trauma hat die exklusive Businessfliegerbranche inzwischen weitgehend überwunden. "Wir sind noch nicht wieder in der grünen Zone, aber der Ausblick ist nicht schlecht", sagte Romberg jüngst auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA).

Bei den Flugzeugauslieferungen scheint die Talsohle erreicht. Nachdem der Wert verkaufter Maschinen von weltweit etwa 22 Milliarden Dollar (2008) auf unter 15 Milliarden gesunken ist, stabilisiert er sich nun, und die Prognosen zeigen nach oben.

Die schönsten Träume drohen zu platzen

Und doch scheint äußerst ungewiss, dass sich die schönsten Träume der Branche jetzt erfüllen. So prognostiziert selbst Hersteller Embraer, dass die Unternehmen fast zehn Jahre brauchen werden, um das Vorkrisenniveau zu erreichen - ein Zeitraum, in dem viel dazwischen kommen kann: steigende Ölpreise, die nächste Wirtschaftskrise, Engpässe im Luftraum.

Die schillerndsten Träume aus der Vorkrisenzeit dürften jedenfalls ausgeträumt sein, das scheint schon jetzt klar. Noch vor zwei Jahren wollte die Branche zum großen Sprung ansetzen. "Businessjets für jedermann" hieß die Parole.

Auf der ILA präsentierte eine Forschergruppe damals ein von der EU gefördertes Projekt, das die Chancen eines massenhaften Einsatzes von Businessjets in Europa ausloten sollte. Etwa 100.000 Flieger sollten demzufolge bis 2030 über Europa schwirren, die Zahl der Passagiere sich auf 319 Millionen mehr als verhundertfachen. "In den 20er Jahren dieses Jahrhunderts wird die Reise mit Kleinflugzeugen für die Mittelklasse bezahlbar", erwartete das federführende Warschauer Institut für Luftfahrt. Eine Hoffnung ruhte auf den neuen Very Light Jets, die mit lediglich einem Piloten auskommen.

Doch die beispiellose Krise macht die einstige Überfliegerbranche vorsichtiger. "Geschäftsfliegerei bleibt anfällig für externe Schocks", sagt Luftfahrtexperte Marco Linz von der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel.

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