Mittwoch, 19. Juni 2019

Betrugsvorwürfe SEC legt gegen Goldman Sachs nach

Goldman-Zentrale in New York: Der Druck auf die US-Bank nimmt zu, einer Einigung mit der US-Börsenaufsicht zuzustimmen

Die US-Börsenaufsicht SEC will ihre Klage gegen Goldman Sachs mit neuem Material anreichern. So soll die mächtige US-Großbank zur Annahme einer Einigung gezwungen werden. Der Druck auf Goldman steigt, nach wie vor droht eine Milliardenstrafe.

Hamburg - Vor zwei Monaten zerrten die Behörden Goldman Sachs mit dem Vorwurf vor Gericht, Anlegern bewusst wichtige Informationen über ein komplexes Investmentprodukt namens Abacus 2007 vorenthalten zu haben. Ende der Woche erfuhr Reuters dann, dass die SEC sich weitere verbriefte Hypothekenkredite (CDO) anschaut, die faul geworden waren - unter anderem Hudson Mezzanine Funding.

Zudem hatte sich die SEC noch vor der Abacus-Klage genauer mit einer CDO namens Timberwolf von 2007 beschäftigt. Dabei geht es um eine Summe von einer Milliarde Dollar. In eine Anhörung des Kongresses im April sprach auch der Senator Carl Levin in einer Befragung von Goldman-Managern Abacus, Timberwolf und Hudson an.

Im Mai brachte er dann einen Gesetzentwurf ein, der Interessenskonflikte bei Banken bekämpfen soll. Dabei verwies er ausdrücklich auf Hudson. Die ehemalige Staatsanwältin Annemarie McAvoy, heute Professorin an der Fordham University, erklärt, welche Strategie der SEC dahinter stecken könnte. "Man bündelt eine Reihe von Dingen und dann wird es schwieriger, sich gegen alle zu verteidigen. Und am Ende gibt man sich geschlagen und sagt: 'Ja, wir einigen uns'."

"Kommt noch mehr hinzu?"

Auch andere Experten gehen davon aus, dass der Druck durch die Untersuchungen und den Kongress so groß werden könnte, dass Goldman-Chef Lloyd Blankfein keine andere Möglichkeit sehen könnte, als eine umfangreiche Einigung einzugehen. "Kommt noch mehr hinzu? Im Moment würde mich das gar nicht wundern", sagt Lawrence White von der New York University.

Am Donnerstag erklärte der Goldman-Sachs-Präsident Gary Cohn in Montreal, es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich seine Bank bald mit der SEC zu der Betrugsklage vom April einigen wird. Der Schaden beläuft sich den Vorwürfen zufolge auf rund eine Milliarde Dollar. Betroffen ist auch die deutsche Mittelstandsbank IKB. Goldman hat die Anschuldigungen zurückgewiesen.

Die Beziehungen zwischen der SEC und Goldman hatten sich zuletzt verschlechtert, nachdem die Bank auf eine Anfrage der SEC nach Informationen der Aufsicht rund 2,5 Milliarden Blatt an Unterlagen geschickt hatte. Analysten zufolge kann auf Goldman Sachs eine Strafe in Milliarden-Höhe zukommen. Mit der Anklage hatten die USA ihre Gangart gegen Personen und Unternehmen verschärft, die sie für die Finanzkrise mitverantwortlich machen.

cr/reuters

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