Donnerstag, 19. September 2019

Deutsche Bank Der andere Ackermann

Er ist das Gesicht der Managerkaste in Deutschland. Josef Ackermann prägt die Deutsche Bank wie kein Zweiter, er polarisiert. Doch bei näherem Hinsehen zeigt der Bankmanager Seiten, die im Widerspruch zu seiner öffentlichen Wahrnehmung stehen.

Hamburg - Kein Zweifel, der Name Josef Ackermann wird einmal für eine Ära der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen stehen. Wenn seine Amtszeit 2013 ausläuft, stand Ackermann elf Jahre an der Spitze des größten deutschen Geldhauses. Bereits jetzt amtiert der Schweizer so lange wie sein Wegbereiter Hilmar Kopper - anders als dieser firmiert er sogar als Vorstandsvorsitzender.

Alle Vorgänger, auch so illustre wie Hermann Josef Abs, mussten sich mit dem Titel Sprecher des Vorstands bescheiden. Sie verfügten auch nicht über ein Group Executive Committee, das parallel zum Vorstand strategische Entscheidungen vorbereitet und dem Chef zuarbeitet. Nie zuvor war die größte deutsche Bank so stark auf einen Mann zugeschnitten, nie zuvor war ihre öffentliche Wahrnehmung so personalisiert.

Doch wofür wird die Ära Ackermann in den Geschichtsbüchern stehen? Nach außen steht Ackermann, in der Beliebtheit nur noch unterboten von den Würdenträgern der katholischen Kirche, als Symbol für das Feindbild Manager. Politiker und Gewerkschafter sprechen mitunter nur von den "Ackermännern".

Gründe dafür hat er reichlich geliefert: das als arrogant empfundene Victory-Zeichen im Mannesmann-Prozess. Die als gierig empfundenen Millionengehälter, mit denen er meist an der Spitze der Konzernchefs im Dax rangiert. Das als anmaßend empfundene Ziel, 25 Prozent Eigenkapitalrendite zu verdienen. Den als ungerecht empfundenen Abbau zehntausender Stellen im Angesicht gleichzeitiger Milliardengewinne.

Zu jedem Ackermann-Klischee gibt es aber noch eine zweite Seite. Der Sohn eines Landarztes bietet, gerade weil er so allgegenwärtig ist, eine ideale Projektionsfläche. "An mir wird, sicher auch wegen meines hohen Bekanntheitsgrades, vieles festgemacht", klagte der Bankchef dem SPIEGEL. Fast wöchentlich lösen seine öffentlichen Auftritte Streit aus. Jede für sich zeigt Ackermann in einem eindeutigen Licht. Doch zusammen ergeben sie ein höchst widersprüchliches Bild.

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