China Der Drache kauft die Welt

Während Europa, die USA und Japan unter gigantischen Haushaltsdefiziten ächzen, spielt China seinen Reichtum aus. In der Krise investieren Staat und Unternehmen weltweit in Häfen, Bergwerke und Industrieunternehmen - teils zu Spottpreisen. Das Land setzt zum Sprung an die Spitze der Wirtschaftsmächte an.

Hamburg - Am Pfingstmontag hat ein chinesischer Investor mal wieder ein ganzes Land glücklich gemacht. Etwa 2,7 Milliarden Dollar will der China International Fund in Guinea investieren, wurde bekannt. Mit dem Geld sollen unter anderem ein Hafen und eine neue Eisenbahnlinie entstehen, über die die reichen Erzvorkommen des Landes abtransportiert werden.

"Damit entsteht eine strategische Verbindung, über die wir unsere Erzvorkommen erschließen können", jubelte Guineas Bergbauminister. Der Aktienkurs des ebenfalls in dem Projekt engagierten Minenunternehmens Bellzone sprang nach Bekanntwerden der Nachricht um 59 Prozent an.

Mal wieder hat Geld aus China den Durchbruch für ein gewaltiges Rohstoffprojekt in Afrika gebracht. Das Muster ist oft dasselbe: Die vielfach verarmten Staaten der Region gewähren Konsortien unter chinesischer Führung Zugang zu den gigantischen Rohstoffschätzen. Im Gegenzug bauen chinesische Firmen die Infrastruktur des jeweiligen Landes aus.

Fundament für den weiteren Aufschwung

In der weltweiten Wirtschaftskrise kommt China zugute, dass das Land und seine Fonds und Firmen flüssig sind. "China hat gewaltige Währungsreserven angehäuft, nun muss es Kapital exportieren", sagt der Rohstoffexperte des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Michael Bräuninger, gegenüber manager magazin. Auf 2,4 Billionen Dollar taxiert die Regierung die Devisenreserven des Riesenreichs, mit etwa 250 Milliarden ist das Land im Ausland investiert.

Nun kann sich China das Fundament für den weiteren wirtschaftlichen Aufschwung sichern - oft zu günstigen Preisen. Dies meist in Form von Industrierohstoffen, immer häufiger aber auch durch Investments in Technologie und Marken.

Neuer Brückenkopf in Europa

Nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent kauft sich China all das zusammen, was es für den Sprung an die Wirtschaftsweltspitze braucht. Jüngst erregte der Besuch einer chinesischen Delegation in Griechenland für Aufsehen. Vertreter der Reederei Cosco  und der Regierung kündigte an, in Piräus "Chinas neues Tor zu Europa, den Nahen Osten und Nordafrika" zu errichten.

Für zunächst gerade einmal 320 Millionen Euro bringt die Reederei zunächst den Hafen auf Vordermann. Zudem hat sie sich Umschlagrechte für 35 Jahre gesichert.

Viele weitere chinesische Firmen würden den neuen Brückenkopf in Europa nutzen, erwartet Cosco-Chef Wei Jiafu. Nicht ausgeschlossen, dass Chinesen bald Teile der griechischen Eisenbahn übernehmen, um auch den Weitertransport der Güter auf dem Landweg zu sichern.

Auch in Australien bemüht sich das bevölkerungsreichste Land der Erde beispielsweise um Lizenzen zum Abbau der für Elektromotoren entscheidenden Seltenen Erde Neodym. In Europa geht es oft um ganze Firmen, wie beispielsweise der Kauf der Automarke Volvo durch Geely belegt.

Insgesamt investierten chinesische Firmen 2009 im Ausland 63,3 Milliarden Dollar - ein Plus von 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der größte Posten davon geht nach Hongkong, aber immer mehr Engagements gibt es in Länder, die begehrte Rohstoffe anbieten können. Beispiel Südafrika: Von 2007 auf 2008 verzehnfachte sich die Investitionssumme auf knapp fünf Milliarden Euro. Zuletzt feierte das Land am Kap die Chinesen als Bauherren einer Zementfabrik - der Baurohstoff war angesichts der Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft knapp geworden.

Für das laufende Jahr rechnet Experten mit weiter steigenden Direktinvestitionen aus China. Und längst nicht alle Engagements tauchen in der Statistik auf. So vergibt die staatseigene Eximbank gerade in Afrika oft billige Kredite an Staaten und sichert den Rohstoffkonzernen aus dem eigenen Land Schürfrechte.

Vorgehen "immer aggressiver"

Kaum ein Beobachter zweifelt daran, dass China mit seiner internationalen Expansionsstrategie einen zentral gesteuerten Plan verfolgt. "Meist handelt es sich um strategische und langfristige Investitionen", sagt HWWI-Mann Bräuninger. So in Griechenland. "Auf diese Weise haben die Chinesen einen Fuß in der EU und könnten von einer Erholung profitieren", sagt Industrie-Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg.

Im Westen löst Chinas Engagement gemischte Gefühle aus. So warnte bereits der Vorsitzende des deutsche Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, vor dem "immer aggressiveren" vorgehen der Chinesen in Zentralasien, vor allem im Bereich Rohstoffe. "Es stellt sich die Frage, ob Deutschland und die EU nicht auf dieses Problem reagieren sollten." Von einer koordinierten Rohstoffpolitik auf europäischer Ebene ist bis heute jedoch wenig zu spüren.

Im Kampf um die Rohstoffe prallen auch zwei verschiedene Politikverständnisse aufeinander. "Chinesische Investoren setzen ihre Vorhaben oft sehr schnell um", sagt Bräuninger mit Blick auf die zentralistische Planung in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde. "Diesen Vorteil erkauft sich China mit einem Mangel an Demokratie."

Dazu zählt nach Ansicht vieler Experten auch die rigide Währungspolitik. Indem es den Yuan künstlich schwach hält, erleichtert China seine Exporte und häuft seine Devisenreserven, die es zur weltweiten Expansion braucht, überhaupt erst an. Im eigenen Land bleibt die Bevölkerung dagegen arm - Importwaren sind für die meisten kaum zu bezahlen.

Wenn die USA das Thema mal wieder auf höchster politischer Ebene zur Sprache bringen, ernten ihre Vertreter meist nur ein höfliches Lächeln - so auch zuletzt Finanzminister Timothy Geithner. Immerhin versprach China, verstärkt die Binnennachfrage anzukurbeln und so ein wenig gegen das Ungleichgewicht der Handelsbilanz mit den USA zu tun. Eine Abwertung des Yuan stellte Chinas Präsident Hu Jintao nicht wirklich in Aussicht - darüber zu entscheiden, behalte sich da Land ausdrücklich selbst vor.

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