Währungspolitik China macht den USA Hoffnung

Für die USA ist Chinas schwache Währung seit Jahren ein Ärgernis, nun scheint Bewegung in den Streit der Wirtschaftssupermächte zu kommen. Chinas Präsident Hu Jintao kündigte an, die Binnennachfrage im eigenen Land zu stärken und den Wechselkursmechanismus zu reformieren. Doch Experten bleiben skeptisch.

Peking - China hat im Streit mit den USA über die weltweiten Handelsungleichgewichte versöhnliche Töne angeschlagen und eine Förderung der Binnennachfrage angekündigt. Zugleich pochte die Regierung in Peking auf eine schrittweise Reform seiner Währungspolitik. China werde unabhängig agieren, sagte Präsident Hu Jintao am Montag zum Auftakt des Strategie- und Wirtschaftsdialogs zwischen den USA und China.

"China wird weiterhin stetig eine Reform des Yuan-Wechelskursmechanismus vorantreiben, auf eine selbst eingeleitete, kontrollierte und graduelle Art und Weise", sagte Jintao.

Experten rechnen damit, dass eine Aufwertung des Yuan wohl bis zum dritten Quartal auf sich warten lassen muss. US-Finanzminister Timothy Geithner begrüßte die Bereitschaft Pekings, die Währungspolitik zu reformieren.

Die USA hatten den Ton in dem schon lange währenden Streit zuletzt etwas gedämpft. Sie hoffen, dass durch ihre Zurückhaltung die chinesische Seite mehr politischen Spielraum bekommt, eine Aufwertung ihrer Währung zuzulassen.

Geithner sagte, dass eine Freigabe des Wechselkurses auch in Chinas eigenem Interesse sei: Gewinnt der Yuan an Wert, werden Importe günstiger, was die Inflationsraten drückt und die Binnenwirtschaft stärkt. China hat seine Währung Yuan im Kampf gegen die Wirtschaftskrise im Juli 2008 nach einer drei Jahre währenden Aufwertungsphase wieder fest an den Dollar  gekoppelt.

Die wirtschaftliche Erholung der Volksrepublik führte aber zu immer stärkerer Kritik an dieser Politik. Vor allem die USA werfen China vor, seinen Exporteuren auf Kosten anderer Vorteile zu verschaffen und so die weltweiten Ungleichgewichte zu vergrößern. Beide Seiten machten aber deutlich, dass allein eine Reform der Währung nicht ausreicht, um das ausufernde US-Handelsdefizit mit China zu reduzieren. 2009 lag der Fehlbetrag bei 226,8 Milliarden Dollar, nach dem Rekordbetrag von 268 Milliarden Dollar 2008.

"China bewegt sich nur in kleinen Schritten"

Angesichts der gegenwärtigen Turbulenzen an den Finanzmärkten dürfte die Regierung in Peking sich noch bis zum Sommer Zeit lassen, bis der Wechselkurs des Yuan angetastet werde, schrieben die Analysten der Standard Chartered Bank in einer Studie. Die weltweite Erholung der Wirtschaft sei nicht gesichert, was die Aussichten für die chinesischen Exporteure verschlechtere. Dazu komme, dass der Yuan zu vielen anderen Währungen zuletzt deutlich an Wert gewonnen habe.

Weil die chinesische Landeswährung fest an den Dollar gekoppelt ist, folgt sie dessen Kursbewegungen und hat allein in den vergangenen vier Wochen zum Euro etwa 7 Prozent an Wert gewonnen. Allein in die Euro-Zone gehen 18,4 Prozent aller chinesischen Exporte.

"Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass sich China nur in kleinen Schritten bewegt", hieß es in der Studie. Immer wieder ist dabei von einem Währungskorb die Rede, an dem sich der Yuan orientieren soll.

Laut Zhang Xiaoqiang, stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, haben beiden Seiten auch über die Schuldenkrise in Europa gesprochen. Deren Ausmaß und Reichweite seien nicht groß, "aber natürlich ist Europa eine der größten Volkswirtschaften der Welt und Chinas größter Handelspartner", erklärte er. Darum werde die Schuldenkrise nicht nur die Erholung in Europa, sondern auch die Außennachfrage Chinas beeinträchtigen.

Fortschritte signalisierten die USA und China bei den Streitpunkten Technologietransfer und High-Tech-Exporte. Die Regierung in Peking sagte zu, auf Protektionismus-Sorgen ausländischer Unternehmen einzugehen.

Nach Einschätzung der US-Handelskammer sind die Bedenken von US-Konzernen, China mache Rückschritte bei der Öffnung seiner Wirtschaft, so groß wie seit zehn Jahren nicht. Dabei gehe es vor allem um die Industrie- und Innovationspolitik, sagte Handelskammer-Präsident Thomas Donohue in Shanghai.

Vor wenigen Tagen hatte Donohue noch offen davon gesprochen, dass China seine Industriepolitik nutze, um über einen Technologietransfer nationale Champions zu bilden. Der chinesische Handelsminister Chen Deming zeigte sich zugleich optimistisch, dass die USA die Richtlinien bei Hochtechnologieexporten lockere. Das würde aber nur zum kleinen Teil dazu beitragen, das Handels-Ungleichgewicht zwischen den USA und China zu verringern.

manager magazin mit Material von reuters und ddp