Mittwoch, 18. September 2019

Euro-Krise Warum wir nicht Zahlmeister Europas sind

4. Teil: Enorme Zinsersparnis für die Bundesrepublik

Deutschland fließt Geld zu - zu niedrigen Zinsen

Während also die deutsche Währung - der Euro - in 2010 schwächer geworden ist, hat sich das maßgebliche Anleihebarometer - der Bund-Future - trotzdem sehr positiv entwickelt. Die Renditen deutscher Anleihen sind deutlich gefallen. Die deutsche Umlaufrendite hat trotz der schwachen Währung ein neues Rekordtief erreicht. Eigentlich nicht möglich und dieser europäischen Besonderheit geschuldet: Einheitliche Währung und separate Finanzmärkte. Während aus dem Euroraum per Saldo insgesamt mehr Geld abgezogen wird, fließt Deutschland trotzdem per Saldo mehr Geld zu. Dies geschieht zu Lasten aller anderen Euromitglieder.

Deutschland profitiert von dieser Entwicklung gleich doppelt. Exportwirtschaft und Anleihemärkte werden parallel beflügelt. Dies ist der Besonderheit einer einheitlichen Währung mit separaten Finanzmärkten zu verdanken.

Enorme Zinsersparnis für die Bundesrepublik

Besonders bemerkenswert ist diese Entwicklung vor allem deshalb, da in Deutschland allein in diesem Jahr fast so viele Anleihen neu refinanziert werden müssen, wie Griechenland insgesamt verschuldet ist. Die nachhaltige Zinsersparnis der Bundesrepublik wird dabei die Kosten der Hilfspakete leicht übersteigen. Je länger diese Divergenz in den europäischen Anleihemärkten anhalten wird, desto größer wird auch die deutsche Zinsersparnis werden.

Ohne den Euro würde die D-Mark in der heutigen Situation massiv aufwerten. Aktuell ist Deutschland in der glücklichen Lage, dass wir mit dieser Krise zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Unsere Exportwirtschaft wird in den kommenden Monaten massiv von der Euro-Schwäche und der damit gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit profitieren. Parallel dazu flüchten die Anleger in deutsche Staatsanleihen (ohne eine Aufwertung unserer Währung auszulösen) und die Bundesrepublik profitiert von den dadurch massiv gefallenen Renditen der Bundesanleihen. Rechnen Sie sich doch einmal eine langfristige Zinsersparnis von einem vollen Prozentpunkt auf zwei Billionen Euro deutsche Staatsschulden aus.

Sorgen Sie sich also nicht vor dem schwachen Euro. Denken Sie global und profitieren Sie von dieser Entwicklung. Auch auf diese angeblich "größte Krise seit dem zweiten Weltkrieg" wie sie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bezeichnet, werden Sie in ein paar Monaten wesentlich gelassener zurückblicken.

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