Sonntag, 15. September 2019

Euro-Krise Warum wir nicht Zahlmeister Europas sind

3. Teil: Warum Deutschland gleich doppelt profitiert

Deutschland profitiert doppelt von der Krise

Deutschland profitiert in einer nie zuvor erlebten Art und Weise von dieser Zuspitzung der Situation im europäischen Währungsraum. Während alle Kommentare über die hohen Kosten der deutschen Beteiligung am Rettungspaket für Griechenland und den Euro- Schutzschirm lamentieren, werden die offensichtlich positiven Effekte für Deutschland ignoriert.

Schere: Der Euro fällt, das Anleihebarometer Bund Future steigt. Damit fällt es Deutschland leichter, Geld zu günstigen Konditionen aufzunehmen
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Schere: Der Euro fällt, das Anleihebarometer Bund Future steigt. Damit fällt es Deutschland leichter, Geld zu günstigen Konditionen aufzunehmen
Wir sind eben nicht "Die Deppen und Zahlmeister Europas" wie Bild und Stern titelten, sondern die großen und nachhaltigen Profiteure dieser Entwicklung.

Wir erleben in Europa eine neue Differenzierung nach fundamentalen Daten, die sich auch kurz- und mittelfristig nicht wieder umkehren wird.

Der schwache Euro hilft der deutschen Exportwirtschaft ganz massiv. Unsere Wettbewerbsfähigkeit hat sich in den letzten Monaten - durch die Euro-Schwäche im Außenwert - spürbar verbessert.

Exporte ins Nicht-Euro-Ausland begünstigt

Die ohnehin schon exportstarke deutsche Volkswirtschaft bekommt von der Währungsentwicklung weiteren Rückenwind, da wir unsere Produkte günstiger im "Nicht-Euro-Ausland" anbieten können. Der starke Schweizer Franken und US-Dollar bremsen hingegen die Exporte der Schweiz und USA.

Normalerweise geht eine schwache Währung aber auch mit schwachen Finanzmärkten einher. Eine schwache Währung beeinflusst dabei gewöhnlich vor allem die Anleihemärkte eines Landes negativ. Die Einführung des Euro hat aber eine Ausnahmesituation geschaffen: Deutschland hat zwar einen "unabhängigen Anleihemarkt", jedoch eine einheitliche Währung - den Euro - gemeinsam mit anderen Ländern und Volkswirtschaften, die jeweils separate Anleihemärkte besitzen.

Genau diese Differenzierung in "gute und schlechte Schuldner" findet jetzt verstärkt statt. Die ehemalige Konvergenz der Anleihemärkte im Vorfeld der Einführung des Euros weicht jetzt einer stärkeren - und durchaus auch vernünftigen - Differenzierung nach fundamentalen Daten der einzelnen europäischen Volkswirtschaften.

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