Mittwoch, 26. Juni 2019

Rothschild-Chef Higgins "Es geht um unsere Moral"

Der Vorstandschef der Investmentbank Rothschild, der Brite Nigel Higgins, tritt im Gespräch mit manager magazin dafür ein, Geschäfts- und Investmentbanken per Gesetz voneinander zu trennen.

Hamburg - Mit Blick auf die aktuelle Klage der amerikanischen Finanzaufsicht SEC gegen die Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigensagte Higgins (49) im Interview mit dem manager magazin, dessen neue Ausgabe ab Freitag (21. Mai) im Handel ist: "Solange eine Bank Geschäfte mit einem solchen Konfliktpotenzial unter einem Dach vereint, wird immer der Verdacht bleiben, sie könnte ihre eigenen Interessen über die ihrer Kunden stellen."

Rothschild-Chef Higgins: "Viele merken ganz einfach, dass einige Banken ihr Geld im Wesentlichen damit verdienen, dass sie ihre eigenen Interessen verfolgen"
Deshalb stelle sich die Frage, "ob eine Bank Unternehmen oder auch Staaten mit Dienstleistungen wie der Vergabe von Krediten zur Verfügung stehen sollte, wenn sie gleichzeitig auf eigene Rechnung Wertpapiere am Kapitalmarkt handelt".

Goldman Sachs wird von der SEC beschuldigt, Kunden gebündelte amerikanische Immobilienkredite verkauft zu haben, ohne sie darüber aufzuklären, dass zugleich andere Geschäftspartner der Bank auf einen Absturz des US-Häusermarktes wetteten. Zu den betroffenen Kunden gehörte auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die Mitte 2007 in Folge der Finanzkrise beinahe zusammenbrach. Mittlerweile ermitteln die US-Behörden wegen ähnlicher Vorwürfe auch gegen weitere große Geldhäuser, darunter die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen.

Für Rothschild-Chef Higgins ist der Rechtsstreit "ein Symbol für den tiefer liegenden Konflikt, der sich dahinter verbirgt. Es geht um das Selbstverständnis unserer Branche, es geht um unsere Moral, um die ethischen Grundsätze unseres Gewerbes - und nicht zuletzt auch um das Vertrauen in die Integrität von Institutionen und Individuen."

Vor diesem Hintergrund seien die aktuellen Diskussionen über eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken zu sehen: "Man hätte dann auf der einen Seite streng regulierte und staatlich geschützte Geldhäuser. Sie würden sich auf volkswirtschaftlich als nützlich erachtete Aktivitäten konzentrieren, während ihnen gewisse riskante Geschäfte verboten wären", sagte Higgins. "Auf der anderen Seite stünden die Investmentbanken, die keine traditionellen Bankdienstleistungen anbieten würden. Solche Institute könnten weiterhin nach Belieben an den Kapitalmärkten agieren, für sie würde aber niemand einspringen, sollten sie sich verspekulieren."

Auch die großen Kunden der Banken würden auf eine solche Aufspaltung drängen, sagte Higgins weiter. "Viele merken ganz einfach, dass einige Banken ihr Geld im Wesentlichen damit verdienen, dass sie ihre eigenen Interessen verfolgen. Und nicht mit der Beratung der Kundschaft."

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