Sonntag, 20. Oktober 2019

Griechenland Alles muss raus

4. Teil: Traumimmobilien warten auf neue Besitzer

Als realistischer gilt, dass der Essener Baukonzern Hochtief Börsen-Chart zeigen seinen 40-Prozent-Anteil am Athener Flughafen ausbaut. Das hat bereits das griechische Finanzministerium signalisiert. "Wenn der griechische Staat sich entschließt, seine Anteile abzugeben, würden wir uns dem nicht in den Weg stellen", heißt es bei Hochtief. "Ob wir die Anteile in einem solchen Fall selbst kaufen, müssten wir zunächst aber prüfen."

Die unsichere Lage lässt viele Unternehmen jedoch zögern. Arbeitnehmervertreter haben bereits weiteren Widerstand gegen ein verstärktes Engagement von Ausländern angekündigt - zumal viele Griechen angesichts der Not den hemmungslosen Schlussverkauf fürchten.

"Wir machen keinen Ausverkauf", versuchte Finanzminister George Papaconstantinou präventiv die Preise hochzuhalten. Im selben Atemzug beschwor er jedoch das Potenzial des Staatsbesitzes. "Der griechische Staat verfügt über einen enormen Grundbesitz im Wert von Hunderten Milliarden. Dessen Ausbeutung - im positiven Sinn - ermöglicht es uns, Mittel zu generieren."

Was das bedeuten kann, spüren Makler wie Christos Foutsitzidis. "Der Staat will jetzt verstärkt privatisieren", hat er festgestellt. Altbauwohnungen in Athen, Traumgrundstücke am Meer und andere Immobilien böten Staat und Kommunen verstärkt an. "Es wird noch ein bisschen dauern, aber dann wird das alles auf den Markt kommen."

Immobilienanalysten beobachten schon jetzt, dass die Preise auf breiter Front sinken. Die Griechen selbst kaufen kaum noch, Ausländer zögern wegen der unsicheren Lage. Der Erwerb von ehemaligem Staatsbesitz sei vielen Fremden jedoch verschlossen. "Die Zahlung von Schmiergeldern ist in diesem Bereich weit verbreitet", meint ein Kenner der Szene. Allerdings lösten viele Interessenten das Problem auf illegale Weise - einige Vermittler hätten sich darauf spezialisiert, derartige Hürden diskret aus dem Weg zu räumen.

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