Donnerstag, 14. November 2019

Griechenland Alles muss raus

3. Teil: Explosive Lage lässt Firmen zittern

Bei einer neuerlichen Transaktion würde der dann aktuelle Börsenwert als Maßstab herangezogen. Hinzu müsste die Telekom laut der Gesellschaftervereinbarung einen Aufschlag von zunächst 20, später 15 Prozent zahlen. Auch der Kauf der verbleibenden 10 Prozent aus griechischem Staatsbesitz ist denkbar, die Telekom hat ein Vorkaufsrecht.

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"Die Telekom wird ihren Anteil an der OTE sehr wahrscheinlich erhöhen, weil sich der griechische Staat von Beteiligungen weiter trennen muss", erwartet Analystin Floares. Der Bonner Konzern will das nicht kommentieren. "Was das letzte Jahr und das erste Quartal 2010 angeht, sind wir mit der Ergebnisentwicklung der OTE und der Performance im Kundenbereich insgesamt zufrieden. Wir performen besser als unsere Wettbewerber", lobt eine Sprecherin immerhin die bereits voll konsolidierte OTE, die wiederum in mehreren Balkanstaaten Beteiligungen hält.

Ob das Unternehmen sein Engagement ausbauen wolle, lässt sie jedoch offen - der Ball liege beim griechischen Staat. Der hält sich angesichts des schwachen Aktienkurses jedoch bedeckt und spielt offenbar auf Zeit.

Die Politiker wissen auch um die politische Brisanz eines Einstiegs deutscher Unternehmen in Griechenland. Diese sind schon im Zuge der Siemens-Korruptionsaffäre, die einen Schwerpunkt in Griechenland hatte, ins Visier der Einheimischen geraten. Auch die Telekom musste bei ihren bisherigen Anteilskäufen zahlreiche Widerstände überwinden.

Die Deutsche Bahn hat in Griechenland ebenfalls einen schweren Stand, seit führende Mitarbeiter der Bestechung im Zuge des Athener U-Bahn-Baus anlässlich der Olympischen Spiele 2004 verdächtigt werden. Zwar engagiert sich der Bahn-Konzern zunehmend im Ausland - mit Blick auf eine Beteiligung an der defizitären griechischen Bahn heißt es jedoch ohne Begründung: "Das ist für uns kein Thema."

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