Sonntag, 31. Mai 2020

Kopper kritisiert Politik "Die wissen doch gar nicht, was los ist"

Der frühere Vorstands- sowie Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, hat die Politik wegen der Euro-Rettungsmaßnahmen scharf kritisiert. "Was die Situation noch verschlimmert, ist das dümmliche Gerede von Politikern", sagte Kopper in einem Zeitungsinterview.

HSH-Chefaufseher Kopper: "Das Gerede um Banken und so genannte Spekulanten, die in Griechenland gut verdient hätten, ist Blödsinn"
Berlin - "Die wissen doch gar nicht, was los ist", sagte Kopper der "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe) laut einem Vorabbericht. Wer vor ein paar Jahren griechische Staatsanleihen gekauft habe, habe als guter Europäer gegolten. Heute sei er plötzlich ein böser Spekulant.

Die anhaltende Kritik von Politik und Finanzaufsicht an Spekulanten wies Kopper entschieden zurück: "Das Gerede um Banken und so genannte Spekulanten, die in Griechenland gut verdient hätten, ist Blödsinn. Mit der dramatischen Situation Griechenlands haben Spekulanten nichts zu tun. Die haben nur der griechische Staat zu verantworten - und die europäische Politik, die jahrelang weggeschaut hat." Spekulieren sei nichts anderes, als sich ein Bild von der Zukunft zu machen und entsprechend zu handeln.

Der heutige Aufsichtsratsvorsitzende der HSH Nordbank warnt vor einer Destabilisierung des Euro durch die geplanten Maßnahmen der EU. "Ich habe große Angst, dass in Brüssel die klaren Regeln und sogar die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank aufgeweicht werden. Wenn das passiert, dann gnade uns und dem Euro der liebe Gott", sagte Kopper.

Mehrere EU-Staaten hätten über Jahre hinweg weit über ihre Verhältnisse gelebt und ihren Haushalt an die Wand gefahren. "Da nicht rechtzeitig eingeschritten zu sein und auf die Einhaltung der Verträge zu pochen, war unser aller Schuld."

manager magazin mit Material von dpa-afx

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