Sonntag, 16. Juni 2019

Wirtschaftserholung Günstigere Jobprognose für Deutschland

Die Aussichten für Deutschlands Jobsucher werden besser. Vor allem die Industrieunternehmen bieten überraschend schnell wieder mehr Arbeitsplätze als zuletzt an. Jetzt wird deutlich, dass Deutschlands Arbeitsmarktexperten ihre Vorhersagen für 2010 bald nach oben korrigieren werden.

Hamburg - Die Erholung der deutschen Wirtschaft kommt mehr und mehr bei den rund 40 Millionen Beschäftigten in der Bundesrepublik an. Auch die offiziell rund 3,42 Millionen Jobsucher hierzulande dürften es langsam wieder etwas leichter haben, einen Arbeitsplatz zu finden. Denn vor allem dank des Aufschwungs der deutschen Industrie sind die vorhandenen Arbeitsplätze mittlerweile weniger gefährdet, als noch vor wenigen Monaten gedacht, berichten Marktkenner. Und erste Unternehmen begännen sogar, Frauen und Männern zusätzlich einzustellen.

Produktion unter Vorlast: Aluminiumunternehmen Trimmet spürt wirtschaftliche Belebung
DPA
Produktion unter Vorlast: Aluminiumunternehmen Trimmet spürt wirtschaftliche Belebung
"Wir haben in den vergangenen fünf, sechs Wochen eine erkennbar höhere Neigung speziell der industriellen Arbeitgeber zu Neueinstellungen bemerkt als noch zu Jahresbeginn", berichtet Petra Timm, Sprecherin des Zeitarbeitunternehmens Randstad. "Wir spüren damit den Beginn eines Aufschwung in den Branchen, in denen wirtschaftliche Erholungsphasen in Deutschland oftmals starten", sagt Randstad-Sprecherin Timm - und steht damit nicht allein.

"Es gibt tatsächlich einen leichten Anstieg in der Anfrage von Industriunternehmen. Doch eher in der Zeitarbeit. Frisch aus der Krise kommend, sind die Unternehmen derzeit noch vorsichtig mit Einstellungen. Aktuell wird sowohl für den industriellen Sektor, als auch im kaufmännischen Bereich gesucht", bestätigt Petra Reinholz, Geschäftsführerin der Adecco Personaldienstleistungen in Düsseldorf.

Schon vor einigen Tagen hatte die Bundesagentur für Arbeit mit der Nachricht überrascht, dass im vergangenen April hierzulande 162.000 Menschen weniger arbeitslos gemeldet waren als im März. Jetzt wird deutlich: Wenn nicht plötzlich die Euro-Krise die Rechnung verhagelt, war die Aprilbilanz alles andere als ein Zufallswert. Denn zumindest deutsche Großkonzerne beginnen, an das Vorkrisengeschäft anzuknüpfen.

Deutschlands Industrieproduktion beispielsweise stieg im März um 4 Prozent gegenüber Februar - und damit viel stärker als von Statistikern erwartet. Darüber hinaus sind die Einkaufsmanager der Unternehmen nach Angaben des britischen Befragungshauses Markit für die kommenden Monate so optimistisch, wie seit 1996 nicht mehr. Angeführt wird der kleine Beschäftigungsaufschwung derzeit von den Unternehmen der Metallindustrie.

Daimler Börsen-Chart zeigen beispielsweise wird nicht nur 100.000 Beschäftigten in der Bundesrepublik bald wieder volles Gehalt zahlen, das zu Krisenzeiten um 8,75 Prozent gekürzt worden ist - wie auch die Arbeitszeit der betroffen Daimler-Angestellten. Das hat das Stuttgarter Unternehmen vor wenigen Tagen angekündigt. Der Autokonzern reduziert auch die Kurzarbeit weiter und weiter. Derzeit müssen sich nur noch 11.000 Daimler-Mitarbeiter mit verkürzten Arbeitszeiten herumschlagen. Vor einigen Monaten waren es noch 68.000 der insgesamt 160.000 inländischen Daimler-Angestellten.

Ähnlich das Bild bei Trimet, dem größten deutschen Aluminiumproduzenten. Das Unternehmen hat jetzt gemeldet, alle zwischenzeitlichen Kurzarbeiter wieder voll zu beschäftigen. "Wir können gar nicht schnell genug produzieren, um die Nachfrage zu bedienen", sagte Heinz-Peter Schlüter, Trimet-Eigentümer und Aufsichtsratschef. Und die kommt vor allem aus der Verpackungs- und Bauindustrie sowie dem Maschinenbau.

"Mittlerweile können wir davon ausgehen, dass die Schätzungen über die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland in diesem Jahr erkennbar glimpflicher ausfallen", glaubt Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft. Statt der zuletzt vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) vorhergesagten 3,5 Millionen Arbeitslose im Jahresdurchschnitt 2010 werde sich die Zahl der Jobsucher wohl um etwa 100.000 näher an das Vorkrisenniveau heranschieben. "Die neuesten, unerwartet günstigen Entwicklungen konnten in den bisherigen Prognosen einfach nicht vorhergesehen werden. Bald wird deshalb nachjustiert", sagt Schäfer.

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