Finanzkrise Ratingagenturen vor Klagewelle

Auf die großen Ratingagenturen rollt offenbar eine Klagewelle zu. Als erste kündigte am Montag Moody's an, demnächst von der US-Börsenaufsicht angeklagt zu werden. Die Agentur soll ihr Vorgehen bei der Bewertung von Finanzpapieren falsch und irreführend dargestellt haben.

New York - Nachdem in der Finanzkrise das Image der großen Ratingagenturen gelitten hat, rollt nun eine Klagewelle auf Firmen wie Moody's, Standard & Poor's und Fitch zu. Moody's teilte am Montag mit, dass ihr von der US-Börsenaufsicht eine Klage droht. Die SEC wirft der Agentur nach einem Bericht der "Financial Times" vor, die Beschreibung ihres Vorgehens bei der Bewertung bestimmter europäischer Wertpapiere sei "falsch und irreführend" gewesen. Die Vorwürfe gehen zurück auf eine Enthüllung aus dem Jahr 2008. Danach hat Moody's diesen Papieren aufgrund eines Modellfehlers irrtümlich eine AAA-Wertung gegeben.

Moody's hat zwar eingeräumt, dass einige Angestellte in diesem Fall gegen Regeln verstoßen haben. Die Agentur stellt sich jedoch auf den Standpunkt, dass "die Verletzung von Richtlinien durch Angestellte nicht bedeutet, dass diese Richtlinien selbst falsch und irreführend sind". Aber auch wenn es der Agentur gelingen sollte, diese Klage abzuwenden, muss sie damit rechnen, von anderen Klägern vor den Richter gezerrt zu werden.

Allein in den vergangenen zwei Wochen haben Richter in New York und Kalifornien entschieden, mehrere Klagen von Pensionskassen und anderen Investoren zuzulassen. In allen diesen Fällen werfen die Investoren den Ratingagenturen vor, betrügerisch oder zumindest grob fahrlässig gehandelt zu haben, als sie strukturierte Finanzprodukte hoch bewerteten, die sich später als mehr oder weniger wertlos erwiesen.

Allerdings sind juristische Erfolge in dieser frühen Phase mit Vorsicht zu genießen: Richter sind oft großzügig bei der Frage der Klagezulassung, aber dann deutlich kritischer, wenn es um die eigentlich Beweisführung geht.

Standard & Poor's hat eine Statistik veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass Richter elf Klagen gegen die Agentur abgewiesen haben; fünf weitere seien von den Klägern selbst fallen gelassen worden. Rund 25 seien noch anhängig. Floyd Abrams, ein Anwalt von S&P, sagte der "Financial Times": "Wir sind auf guten Wegen, die Gerichte zu überzeugen, den größten Teil der Klagen fallen zu lassen."

Investoren sind offensichtlich weniger optimistisch. Seit den Senatsanhörungen Mitte April zum Verhalten der Ratingagenturen im Vorfeld der Finanzkrise sind ihre Aktienkurse massiv gefallen. Sorgen machen sich die Anleger auch um eine stärkere Regulierung der Agenturen, was deren Geschäftsspielraum einschränken könnte.

manager magazin mit Material von dpa-afx

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