Euro-Krise EZB beschließt Kauf von Staatsanleihen

Dramatische Kehrtwende der Europäischen Zentralbank: Noch am vergangenen Donnerstag war über den Ankauf von Staatsanleihen zur Unterstützung klammer Staaten angeblich gar nicht diskutiert worden - jetzt hat die EZB beschlossen, genau dies künftig zu tun. Damit kommt die Zentralbank den Forderungen der Politik entgegen.

Hamburg - Die Schuldenkrise in der Eurozone zwingt auch die Währungshüter zu ungewöhnlichen Schritten: Die Europäische Zentralbank (EZB) ist aus Furcht vor einem Zerfall der Euro-Zone weiter eingeknickt. Eine Woche nachdem die EZB-Chef Jean-Claude Trichet entgegen früherer Aussagen angekündigt hatten, Anleihen von Griechenland auch mit schlechter Bonität als Sicherheit anzunehmen, geht sie jetzt noch einen Schritt weiter.

Um die Märkte am Leben zu halten, will die EZB in Zukunft zur Not auch Anleihen von hoch verschuldeten Staaten oder auch privaten Schuldnern kaufen. Dies teilte die EZB am frühen Montagmorgen in Frankfurt mit.

Die Entscheidung kommt abrupt. Noch am vergangenen Donnerstag hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gesagt, die Möglichkeit eines Kaufs von Staatsanleihen Griechenlands sei in der gerade absolvierten Ratssitzung nicht einmal diskutiert worden. Die Finanzministern der führenden Wirtschaftsnationen und der Internationalen Währungsfonds (IWF) begrüßten die Kehrtwende der EZB.

Mit dem möglichen Ankauf von Staatsanleihen fällt in der Schuldenkrise der Euro-Zonen-Staaten ein weiteres Tabu der Geldpolitik - bereits in der Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hatten die Notenbanken zahlreiche ungewöhnliche Schritte unternommen, um die Banken und Märkte mit genügend Geld zu versorgen.

Einige dieser Maßnahmen wurden in der Nacht auf Montag wiederbelebt. Die EZB verteidigte den jetzt möglichen Ankauf damit, dass ihre Aufgabe, die Preise stabil zu halten, nur bei funktionierenden Märkten möglich ist. Grundsätzlich ändere sich nichts an den geldpolitischen Zielen der EZB.

Der jüngste Schritt ist unter Experten umstritten, da zahlreiche Politiker genau dies gefordert hatten. Die Zentralbank ist von ihren Statuten her unabhängig und nur der Preisstabilität im Euro-Raum verpflichtet. Die Euro-Zonen-Staaten hatten sich davor nach einer Marathonsitzung auf ein 500 Milliarden Euro  hohes Euro-Rettungspaket, das zudem mit bis zu 250 Milliarden Euro durch den Internationalen Währungsfonds unterstützt wird, geeinigt.

Notenbanken geben sich gegenseitig Kreditlinien

Die EZB hat sich noch nicht auf den Umfang eines möglichen Anleiheankaufs festgelegt. Sollte sie Staatsanleihen an den Märkten erwerben - ein direkter Kauf von den Staaten ist rechtlich nicht möglich - würde die EZB einen Teil der Schulden der Staaten finanzieren.

An den Märkten wurden die angekündigten Schritte der Euro-Zonen-Länder und der EZB größtenteils erleichtert aufgenommen. Der Euro kletterte wieder deutlich über die Marke von 1,29 Dollar. Am Freitag war die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise unter 1,26 Dollar gefallen. Auch an den Aktienmärkten in Fernost wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Dort stiegen die Kurse. In der vergangenen Woche hatte vor allem die Schuldenkrise in Europa für einen teils heftigen Kursverfall an den Aktienmärkten gesorgt.

Neben dem Ankauf von Staatsanleihen will die Zentralbank mit Mitteln aus der Finanzkrise, die Geldströme in der Eurozone am Laufen halten. So sollen die Banken sich bereits in dieser Woche so viel Geld wie sie wollen bei der EZB für sechs Monate leihen können. Die Kosten dafür richten sich nach dem durchschnittlichen Zinssatz der sonst üblichen Refinanzierungsgeschäfte bei der EZB in diesem Zeitraum.

Zudem will die EZB Ende Mai und Ende Juni den Banken jeweils für drei Monate unbegrenzt Geld zu einem festen Zinssatz zur Verfügung stellen. Darüber hinaus greifen die Notenbanken weltweit zu einem weiteren aus der Finanzkrise bekannten Schritt. Sie geben sich selbst untereinander Kreditlinien, um die jeweilige Versorgung mit Fremdwährungen zu gewährleisten.

manager magazin mit Material von Nachrichtenagenturen

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