Energieversorgung Subventionen für Biogas verhindern

Biogas soll in den nächsten 20 Jahren bis zu 12 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs ersetzen. Nun fordert die Branche vehement Subventionen. Das ist nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich, meint Karl-Heinz Pasch, Vorstandschef des Unternehmens Endi, das selbst Biogasanlagen baut und betreibt.
Von Karl-Heinz Pasch

Die Bundesregierung kürzt ab dem 1. Juli die Förderung für Solaranlagen um 15 bis 16 Prozent. Das bringt viele Unternehmen der Branche in Bedrängnis, die sich darauf verließen, dass unbegrenzt bis zu 40 Cent pro Kilowattstunde Strom an Subvention fließen. Ein ähnlicher Prozess setzte vor drei Jahren ein, als die Bundesregierung die sukzessive Besteuerung von Biodiesel beschloss. In kurzer Zeit war ein Gutteil der neu gegründeten Unternehmen am Ende.

Das hindert die Verbände der Biogas-Branche nicht daran, kräftig auf Subventionen für ihre Mitgliedsunternehmen zu drängen. So verlangt der Fachverband Biogas, der rund 4000 bäuerliche Produzenten, Ingenieurbüros und Hersteller von Biogasanlagen vertritt, ein Erneuerbares-Gas-Einspeisegesetz (EGE) und möchte für die Abgabe von Biomethan eine feste Vergütung, die sich - ähnlich wie schon heute bei der Verstromung von Biogas - an der Anlagenleistung des Anbieters orientiert. Der Biogasrat dagegen drängt auf feste Quoten bei der Einspeisung und erhofft sich dadurch Vorteile für seine eher industriell ausgerichteten Mitglieder.

Keiner der Lobbyisten hat anscheinend zur Kenntnis genommen, wie gefährlich es ist, sich auf Subventionen zu verlassen. Besonders ärgerlich an dieser Diskussion ist, dass wir nicht nur keine Förderungen bräuchten, sondern sie sogar den wirtschaftlichen Aufbau behindern können und obendrein der Streit um die Verteilung der Staatsgelder den Blick für die wahren Probleme der Branche verstellt.

Biogas ist ein hochattraktives Produkt. Es wird aus organischen Reststoffen, aus Gülle und heimischen, nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. Anders als Wind- und Sonnenenergie ist Biogas beständig verfügbar und damit grundlastfähig. Zudem lässt sich aus Biogas mit einem kalkulierbaren Aufwand Biomethan herstellen, das in das Erdgasnetz eingespeist werden kann und zugleich auch speicherfähig ist. Damit ist Biomethan für die Erzeugung von Strom, Wärme und Kraftstoffen verfügbar - keine andere Erneuerbare Energie ist so vielseitig. Entsprechend groß ist die Zahl der Einsatzmöglichkeiten. Viele Unternehmen etwa aus der Chemie- und Stahlindustrie brauchen erneuerbare Energien, um ihre Ökobilanz zu verbessern und so Kosten für CO2-Zertfikate einzusparen, dafür bietet sich die Biogas geradezu an.

Schon im Jahr 2007 beschloss die damalige große Koalition, dass bis zum Jahr 2010 sechs Milliarden Kubikmeter Biomethan, zehn Jahre später zehn Milliarden Kubikmeter in die deutschen Erdgasnetze eingespeist werden sollen. Das entspräche rund 7 Prozent beziehungsweise knapp 12 Prozent des aktuellen Erdgasverbrauchs. Doch im Jahr 2009 speisten 29 Anlagen nur 163 Millionen Kubikmeter Biomethan in die Erdgasnetze ein.

Die Gründe für diese Situation liegen aus unserer Sicht nicht in fehlenden Subventionen, sondern in ausufernden bürokratischen Zulassungsverfahren und Genehmigungsverfahren.

Gasnetzbetreiber blockieren Biogas

Derzeit dauert es zwischen einem halben und drei Jahren, bis der Antrag auf Anschluss einer Biomethanproduktion an das Erdgasnetz mit dem zuständigen Betreiber umgesetzt ist. Zwar muss laut Gasnetzzugangsverordnung den Anbietern von Biomethan ein "privilegierter Zugang" zum Erdgasnetz gewährt werden. Doch die Betreiber des Gasnetzes können einen Anschluss bei "wirtschaftlicher Unzumutbarkeit" ablehnen.

Dieser Passus wird gerne genutzt, denn die Gasnetzbetreiber haben nur bedingtes Interesse, sich mit dem kleinteiligen Biomethan abzugeben. Dazu kommt zusätzlicher bürokratischer Aufwand, ist eine Vielzahl von gesetzlichen Auflagen bei Planung und Betrieb einer Biogasanlage zu erfüllen. Die Genehmigungsbehörden sind auf derartige Verfahren nicht hinreichend vorbereitet. Und im EEG sind ökonomische und ökologische Widersprüche angelegt, die die Kosten für die Biogasproduktion erhöhen.

Doch anstatt gegen bürokratische Hindernisse vorzugehen, streitet sich die Branche um Subventionen. Der Effekt dieser Rangelei ist eine Verunsicherung der Kapitalgeber, die sich mit der Vergabe von Krediten zurückhalten.

Besonders ärgerlich ist dabei, dass die Biogasbranche gute Voraussetzungen bietet, auf Subventionen zu verzichten, ja dass die Vorschläge der Lobby-Verbände kontraproduktiv sind. Mit einer festen Vergütung würde unsere Branche nicht nur die Gewinnmöglichkeiten einseitig den Gasnetzbetreibern überlassen, sondern sich wirtschaftliche Risiken aufhalsen. Denn anders als bei der Erzeugung von Wind- und Sonnenenergie kämpft die Biogasproduktion mit hohen variablen Kosten, allein der Anteil der Rohstoffe schlägt mit mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten zu Buche. Selbst bei der Kopplung einer festen Vergütung an einen Rohstoff-Index (der kaum für alle Betreiber richtig gewählt werden kann) geht die Branche das Risiko ein, durch Markpreisschwankungen entstehende Kosten nicht zeitnah weiterleiten zu können.

Was unsere Branche also braucht, sind keine planwirtschaftlichen Vergütungsmodelle, sondern faire Bedingungen für die Einspeisung von Biomethan. Dann besteht die Chance, dass die Biogasbranche die gesetzten Ziele erreichen kann.

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