Montag, 9. Dezember 2019

Euro-Krise "Ökonomen vergessen, dass Griechenland eine Demokratie ist"

In der Krise um Griechenland und den Euro meldet sich der Präsident des Pariser Wirtschaftsforschungsinstituts OFCE, Jean-Paul Fitoussi, zu Wort: Der Euro sei noch immer zu stark, die Sparziele für Griechenland gefährlich. Das Grundproblem sei ein Mangel an Solidarität, dem er mit der Gründung eines Währungsfonds begegnen würde.

"Brutale" Pläne:
Wieviel Sparen erträgt die griechische Gesellschaft?
Paris - Die Griechenlandkrise bedeutet nach Expertenmeinung keine Gefahr für den Euro. "Der Euro ist angesichts der europäischen Wachstumsschwäche sogar zu stark", erklärt der Präsident des Pariser Wirtschaftsforschungsinstituts OFCE, Jean-Paul Fitoussi. Er biete auch eine Garantie gegen einen Staatsbankrott, weil vor allem Deutschland daran kein Interesse habe, fügte er im "Figaro" hinzu.

Allerdings könne die Krise auf andere Staaten überspringen, weil die Europäer nicht ausreichend solidarisch seien, sagte Fitoussi. Die Ansteckungsgefahr ergebe sich aus dem "Mangel an struktureller Solidarität". Deutschland habe sich bis zum Schluss widersetzt.

Zudem seien die Auflagen für Griechenland nicht glaubwürdig. Athen könne das Defizit nicht binnen Jahresfrist um 6,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes senken. "Die Ökonomen haben vergessen, dass Griechenland eine Demokratie ist", sagte er. Bei "Nullwachstum und fast Deflation" müsse die Anpassung "weniger brutal" verlaufen.

Die Euro-Krise hält Fitoussi für eher politisch als wirtschaftlich begründet. "Die öffentlichen Finanzen (Defizit und Schulden) sind in der Euro-Zone allgemein in viel besserem Zustand als in den USA oder Japan." Man müsse "mit der Bekräftigung der europäischen Finanzsolidarität den Raum für Spekulation schließen". Fitoussi empfiehlt dazu die Gründung eines EU-Währungsfonds oder die Ausgabe von Euro-Anleihen durch die Europäische Investitionsbank. An die Stelle einer deflationären Lohnsenkungsstrategie müssten Investitionen treten, um Wachstum zu schaffen.

manager magazin mit Material von dpa-afx

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