Freitag, 21. Februar 2020

Elektrogipfel Keine Kaufanreize für Elektroautos

Angela Merkel hat sich mit Größen der Auto- und Energiebranche zum Elektromobilitätsgipfel getroffen. Die Ergebnisse dürften die Konzerne enttäuschen, denn neue Fördergelder verteilte die Bundeskanzlerin nicht. Ansonsten standen Showeffekte im Vordergrund.

Berlin - Nur Bahnchef Rüdiger Grube kam an diesem Montagmorgen gehetzt zur Autoshow. Als er die Berlin-Zentrale der Deutschen Telekom kurz nach halb Neun betrat, wusste er anscheinend nicht, dass die Hauptrednerin Bundeskanzlerin Angela Merkel noch nicht an Bord war. Sie und andere Gäste trudelten an diesem regnerischen Morgen erst nach und nach ein: zuerst Daimler-Chef Dieter Zetsche - natürlich im Elektro-Smart - gefolgt von BMW- Vorstandschef Norbert Reithofer im Elektro-Mini.

Überstrahlt wurde dieser Auftritt nur von Siemens-Chef Peter Löscher, der sich in einem batteriebetriebenen Oldtimer auf trockener Rückbank von seinem im Regen fahrenden "Kutscher" nur langsam vor den Telekom-Eingang nach vorne schob. Der Münchner Konzern präsentierte damit zum ersten Mal den detailgetreuen Nachbau der "Elektrischen Viktoria" - eines historischen Elektroautos, das ab 1905 vor allem als Berliner Hoteltaxi bekanntgeworden war. Etwas dahinter hielt schließlich der Bus, dem eine gut gelaunte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie etliche andere hohe Gäste aus der Auto-, Energie- und Technologie-Industrie sowie Wissenschaft und Forschung entstiegen.

Würde gerne wieder als Physikerin arbeiten: Kanzlerin Merkel
Auch dieser wasserstoffgetriebene Daimler-Bus kündigte an, dass an diesem Tag die neue "Nationale Plattform Elektromobilität" auf der Tagesordnung stand. Mit seinem Oldtimer und einer Reichweite von 80 Kilometern konnte Löscher nicht deutlicher werden: Heute, da Regierung und Industrie das Elektroauto der Zukunft "made in Germany" propagieren, braucht man wieder die Batterietechnologie, die das Land hochgebracht hatte, in den 90er Jahren aber wegen unzureichender Kapazitäten fallengelassen wurde. Sie aber dürfte mit der Speichertechnologie zum wichtigsten Schrittmacher für das E-Mobil werden.

Es sei schade, dass die Elektrochemie die Batterie damals fallen gelassen habe, betonte auch Merkel etwas später in ihrer Rede. Hätte sie nicht soviel zu tun, würde sie gerne in ihren alten Beruf als Diplomphysikerin zurückkehren, räumte sie schließlich ein. Sie zeichnete eine "spannende Zeit" für die kommenden Jahre. Wie IG-Metall-Chef Bertholt Huber beschwor sie neue alte Berufsbilder, die sich nun mit dem neuem Technologieschub auftäten. Die 750.000 Beschäftigten in der Automobilindustrie sollten diese Entwicklung nicht als Bedrohung ansehen. Vielmehr sollten die Arbeitnehmer, die das deutsche Auto zu einem Spitzenprodukt gemacht hätten, gemeinsam den Weg mit ihren Unternehmen gehen.

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