Mittwoch, 1. April 2020

Euro-Austritt Träume von der harten Mark

3. Teil: Der mühsam erkämpfte Wettbewerbsvorteil wäre dahin

Falls nicht, stünden immer noch erhebliche juristische und technische Hürden im Weg. Wenn Euro-Einkommen in D-Mark-Einkommen umgemünzt würden, müsste das gleiche auch mit den Kreditschulden der Bürger passieren, dann mit Bankeinlagen, dann anderen Elemente der Bankbilanzen, auch Staatsschulden. "Technisch hindert den Gesetzgeber nichts daran, Banken, Firmen, Haushalte und Regierungen zu so einer Umbenennung zu zwingen", so Eichengreen. "Aber in einer Demokratie erfordert das Diskussionen."

Die Beispiele bereits gelungener Auflösungen von Währungsräumen, wie der Zerfall der Sowjetunion und damit des Rubel-Raums oder Argentiniens Aufgabe der Peso-Dollar-Bindung 2001 böten keine Präzedenz, denn "das heutige Europa ist ein komplizierterer Ort", vor allem wegen der hoch integrierten Finanzmärkte. Computer müssten umprogrammiert, Kassenautomaten verändert, neue Banknoten und Münzen im Land verteilt werden. Sogar an "Autofahrer, die vor den Schranken von Tiefgaragen gefangen sein könnten", hat Eichengreen gedacht. "Man muss nur an die Planung denken, die der physischen Einführung des Euro 2002 voranging."

Dieses Argument findet Euro-Kritiker Martin Feldstein allerdings wenig stichhaltig. "Es einmal gelernt zu haben, würde es einfacher machen, dasselbe noch einmal in der Gegenrichtung zu tun", befindet er. Wer den Weg herein in die Union gefunden hat, findet auch den Weg hinaus.

Das wirklich schlagende Argument Eichengreens gegen einen deutschen Euro-Austritt aber sind die wirtschaftlichen Folgen. Die neue D-Mark würde prompt gegen den Euro und andere Währungen aufwerten und damit deutsche Exporte auf dem Weltmarkt verteuern. Der mühsam erkämpfte Wettbewerbsvorteil der Industrie wäre schlagartig dahin. Stattdessen würde ein gewaltiger Kapitalzufluss aus dem Ausland einsetzen, Vermögenspreise in die Höhe treiben, unproduktive Investitionen befördern und Spekulationsblasen auslösen - die gleiche Entwicklung, die mit dem Euro-Beitritt auch am Anfang der griechischen Misere stand. Nur dass sich dann niemand fände, der im Krisenfall den Deutschen helfen könnte.

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