Donnerstag, 2. April 2020

Euro-Austritt Träume von der harten Mark

2. Teil: D-Mark-Nostalgiker ohne Mehrheit - noch

Selbst die Meinungsforscher der EU-Behörde Eurobarometer stellen fest, "die D-Mark war für viele Deutsche das Symbol für wirtschaftliche Sicherheit, Solidität und Prosperität". 45 Prozent glaubten, die Mark hätte ihnen besser durch die Krise geholfen. Allerdings glauben 47 Prozent das Gegenteil. Sogar 66 Prozent sind grundsätzlich für die Währungsunion, mehr als in Griechenland und den meisten anderen EU-Staaten. Eine Mehrheit der D-Mark-Nostalgiker zeichnete sich zur jüngsten Umfrage im vergangenen Herbst also nicht ab, die Exportnation Deutschland ist ja auch bislang Hauptprofiteur des Euro - aber ob das so bleibt, wenn zweistellige Milliardenbeträge nach Athen, in Zukunft vielleicht Lissabon, Madrid oder Dublin fließen?

D-Mark-Schein: "Symbol für wirtschaftliche Sicherheit, Solidität und Prosperität"
Deutsche Bundesbank, Frankfurt
D-Mark-Schein: "Symbol für wirtschaftliche Sicherheit, Solidität und Prosperität"
"Die Regierenden könnten aus mehreren Gründen glauben, dass ein Austritt aus der Währungsunion hilfreich ist, selbst wenn die Mehrheit der Ökonomen das anders sähe", bestärkt Harvard-Ökonom Martin Feldstein die Prognose von Joachim Fels. Es sei "sehr gut möglich", dass die jetzige Krise zu einer nie dagewesenen Herausforderung für die Solidarität der Euro-Zone werde, die bisher begrenzte Umverteilung von Einkommen über Ländergrenzen hinweg das Gesicht der Union verändere. "Länder mit hohen Einkommen könnten darin Grund genug sehen, raus zu wollen", warnt Feldstein.

Amerikanische Ökonomen machen sich schon länger Gedanken über ein Ende des Euro, der ehemalige Reagan-Berater Feldstein gehört zu den Euro-Skeptikern der ersten Stunde. Das National Bureau of Economic Research richtete im Herbst 2008 dazu eine eigene Konferenz in Mailand aus.

Berkeley-Professor Barry Eichengreen betont eher die Gegenargumente, die allerdings für fragile Länder wie Griechenland oder Portugal stärker seien als für Deutschland. Undenkbar findet er den Euro-Austritt nicht, unterm Strich wögen die Nachteile aber schwerer. "Man kann sich vorstellen, dass ein Land wie Deutschland, verärgert über Druck anderer Regierungen, dass die EZB ihr Bekenntnis zur Preisstabilität lockert, die Deutsche Mark wieder einführt", schreibt er in einem Buch, das im Februar erschien.

Dagegen sprächen aber vor allem politische Risiken. "Wenn Deutschland den Euro aufgäbe, würde das die politische Integration erheblich behindern", meint Eichengreen. Alle Mühen der Nachkriegszeit um Frieden, Stabilität und Zusammenarbeit auf dem Kontinent könnten dahin sein. Deshalb werde die deutsche Regierung eher politischen Druck ausüben, um ihre Wünsche durchzusetzen, allenfalls mit Austritt drohen. Weil ein Viertel der Wirtschaftskraft von Euro-Land auf dem Spiel stehe, würde sie sich wohl auch weiterhin als Zuchtmeisterin Europas durchsetzen können.

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