Sonntag, 22. September 2019

Betrugsverdacht Weitere Ermittlungen gegen Goldman Sachs

Offenbar ermittelt nach der Klage der US-Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs nun auch die Staatsanwaltschaft gegen die US-Bank. Dabei soll es auch um weitere Transaktionen gehen, bei denen Investoren viel Geld verloren. Zwischen Goldman und SEC bahnt sich indes angeblich ein Vergleich an.

Hamburg - In der Affäre um riskante Immobilienpapiere der US-Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen laufen Presseberichten zufolge jetzt auch strafrechtliche Vorermittlungen der US-Justiz. Die Staatsanwaltschaft von Manhattan untersuche, ob die Firma oder ihre Angestellten Börsenbetrug begangen hätten, berichtete die Online-Ausgabe des "Wall Street Journal" am Donnerstagabend (Ortszeit). Anlass sei die Übermittlung eines Dokuments durch die Börsenaufsicht SEC gewesen.

Im Fokus: Gegen Goldman Sachs werden schwere Vorwürfe erhoben
Die SEC wirft Goldman Sachs und einem französischen Manager der Bank, Fabrice Tourre, vor, die Immobilienkrise in den USA für lukrative Geschäfte genutzt und dabei seine Kunden massiv mit nicht gesicherten Immobiliengeschäften geschädigt zu haben.

Ein mit den Vorgängen Vertrauter bestätigte am Donnerstag Reuters den Bericht des "Wall Street Journal" über die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft im New Yorker Stadtteil Manhattan erklärte, sie könne die Angaben weder bestätigen noch dementieren. Die Investmentbank selbst teilte mit: "Da unser Unternehmen derzeit stark im Mittelpunkt steht, sind wir nicht überrascht von dem Bericht über Ermittlungen." Die Bank werde in jeder Hinsicht mit allen Behörden zusammenarbeiten.

Der Zeitung zufolge wurden die Ermittlungen zwar durch den Hinweis der SEC ausgelöst, betreffen demnach aber andere Transaktionen. Die Behörde hat Goldman Sachs zivilrechtlich auf Schadenersatz verklagt. Sie wirft der Bank vor, bei der Vermarktung eines verbrieften Hypothekenkredits im Jahr 2007 institutionellen Investoren wie der deutschen Mittelstandsbank IKB wichtige Informationen vorenthalten zu haben.

Kreisen zufolge hat die Staatsanwaltschaft im New Yorker Bezirk Brooklyn bereits ein weiteres Goldman-Geschäft vom März 2007 unter die Lupe genommen, bei dem die Bank unter dem Namen "Timberwolf 1" ebenfalls einen verbrieften Hypothekenkredit (CDO) angeboten hat. Diese Transaktion fiel mehreren mit den Untersuchung vertrauten Personen zufolge aber im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen zwei frühere Hedgefonds-Manager von Bear Stearns auf.

Goldman Sachs angeblich kurz vor Einigung mit Börsenaufsicht

Die inzwischen von JPMorgan Chase übernommene Investmentbank hatte demnach 300 Millionen Dollar in "Timberwolf 1" investiert. Der CDO verlor binnen fünf Monaten 80 Prozent seines Werts und wurde 2008 abgewickelt. Die "Timberwolf"-Ermittlungen führten zu keiner Anklage gegen die Bear-Manager, die auch im Kernvorwurf der Lüge gegenüber Investoren nicht vor Gericht gestellt wurden.

Die Goldman-Spitze musste sich erst am Dienstag vor dem US-Senat für ihre Geschäfte rechtfertigen. Verbriefte Hypothekenkredite gelten als Brandbeschleuniger der Finanzkrise

Unterdessen berichtete die "Süddeutsche Zeitung" ebenso wie die "New York Post" in ihrer Online-Ausgabe, Goldman Sachs stehe kurz vor dem Abschluss einer Einigung mit der Börsenaufsicht. Ziel sei es, aus der öffentlichen Schusslinie zu gelangen. Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein hatte sich am Dienstag einer fast elfstündigen Anhörung in einem US-Senatsausschuss stellen müssen. Kritiker legen Goldman Sachs zur Last, durch sein Vorgehen die Finanzkrise verschärft zu haben.

manager magazin mit Material von reuters und afp

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