Donnerstag, 19. September 2019

Handel Ein Monat Schonfrist für Woolworth

Heute wurde eine rasche Liquidation von Woolworth im letzten Moment verhindert. Einen weiteren Monat sollen nun keine Mitarbeiter der angeschlagenen Kaufhauskette entlassen werden. Gleichzeitig wird das Angebot eines neuen Investors geprüft, der vom Hauptvermieter Cerberus neu ins Spiel gebracht wurde.

Hamburg - Im Bieterstreit um die angeschlagene Kaufhauskette Woolworth ist dem Unternehmen eine Gnadenfrist eingeräumt worden. Bei den Verhandlungen zwischen Konkursverwalter, dem Hauptvermieter Cerberus und möglichen Investoren ist am Donnerstag die akut drohende Liquidation des Unternehmens für einen Monat abgewendet worden. Bis Ende Mai werde es keine Kündigungen für die Vermieter der Ladengeschäfte geben, erklärte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Ottmar Hermann in Frankfurt. Die 4500 Mitarbeiter hätten Zeitverträge bis Ende Juni.

Jedes Teil für einen Euro: Bei Woolworth herrscht Ausverkaufstimmung
In der Zwischenzeit soll das Angebot eines neuen Investors geprüft werden, der von Cerberus in letzter Minute ins Spiel gebracht worden war. Es handelt sich um die HH-Holding, die nach dpa-Informationen der Handelsgruppe Tengelmann mit ihrer Textiltochter Kik in Bönen bei Dortmund zuzurechnen ist. Die Angebote anderer Investoren hat das US-Unternehmen, das mehr als die Hälfte der 162 Woolworth-Standorte besitzt, abgelehnt.

Diese Investoren hatten sich bereiterklärt, Woolworth mit allen Beschäftigten weiterzuführen. Entsprechende Vorverträge und kartellrechtliche Genehmigungen sind damit Makulatur. Cerberus machte schlechte Erfahrungen mit anderen Finanzinvestoren als Argument gegen die vorliegenden Übernahmeangebote geltend und bezeichnete das HH- Angebot als beste Offerte.

Verhandelt wird nach Angaben aus Verhandlungskreisen ausschließlich noch über das HH-Angebot. Hermann hat seinem Sprecher zufolge einen schnellen Vertragsabschluss und insbesondere neue Risiken für die Gläubiger abgelehnt. Er prüfe unter Hochdruck alle Optionen, um die drohende Zerschlagung der bereits sanierten Kette zu verhindern.

Die Gewerkschaft Verdi hat Tengelmann/Kik vorgehalten, sich lediglich für die Standorte zu interessieren und das Personal nicht übernehmen zu wollen. Zudem seien die rund 200 Arbeitsplätze in der Frankfurter Woolworth-Zentrale gefährdet.

Ohne Tengelmann/Kik zu nennen, hatte Hermann die HH-Offerte zunächst abgelehnt. In dem Konzept würden weniger Arbeitsplätze gesichert, der gebotene Kaufpreis sei inakzeptabel und es bestünden kartellrechtliche Risiken, hieß es. Über mögliche Nachbesserungen ist bislang nichts bekannt.

manager magazin mit Material von dpa

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