Prognose angehoben Konjunkturprogramme helfen Siemens

Der Elektrokonzern Siemens hat nach einem starken zweiten Geschäftsquartal seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf 7,5 Milliarden Euro angehoben. Die Umsatzprognose bleibt unverändert, obwohl das Unternehmen bisher Aufträge in Höhe von drei Milliarden Euro aus Konjunkturprogrammen erhalten hat.

München - Siemens rechnet nun für das laufende Geschäftsjahr mit einem Ergebnis der Sektoren über dem Vorjahreswert von 7,5 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Bislang hatten die Münchener einen operativen Gewinn in Höhe von 6 Milliarden bis 6,5 Milliarden Euro und ein Gewinnplus bei den fortgeführten Aktivitäten von rund 20 Prozent in Aussicht gestellt.

Sollte Siemens die 7,5 Milliarden übertreffen, wäre es der bislang höchste operative Gewinn. An seiner Umsatzprognose rüttelt der Konzern nicht. Die Erlöse dürften um einen mittleren einstelligen Prozentsatz zurückgehen, bekräftigte der Vorstand. Die Aktie von Siemens  legte am Donnerstag bis zum Mittag zu.

Staatliche Programme helfen

Siemens profitiert allmählich von den weltweiten staatlichen Konjunkturprogrammen. "Wir haben bisher drei Milliarden Euro aus Konjunkturprogrammen erhalten", sagte Konzernchef Peter Löscher am Donnerstag. Bis Herbst 2012 wolle das Unternehmen insgesamt Order im Volumen von 15 Milliarden Euro aus den staatlichen Programmen an Land ziehen.

Sparkurs zeigt Wirkung

Zudem zeige der Sparkurs des Unternehmens Wirkung, sagte Löscher. Siemens habe die Marke von zwei Milliarden Euro an Einsparungen überschritten. Die Kostenbasis drückte der Konzern unter anderem durch den Abbau von rund 16.000 Stellen.

Löscher bekräftigte zudem, er halte an den Plänen für ein Gemeinschaftsunternehmen mit der russischen Rosatom zum Bau von Atomkraftwerken fest. Das Unternehmen hätte ursprünglich vor einem Jahr an den Start gehen sollen, bislang ist jedoch nichts passiert - außer dass Siemens mit seinem bisherigen Atompartner Areva vor dem Schiedsgericht über mögliche Vertragsverletzungen streitet.

Industriesparte muss weiter kämpfen

Im zweiten Quartal schlugen sich die drei Sektoren des Konzerns erneut höchst unterschiedlich. Zwar konnten alle bis auf den Industriesektor ein Umsatzplus verbuchen, dafür verzögern sich in der Energiesparte weiterhin die Großaufträge für fossile Kraftwerke und auch in einigen Teilen des Infrastrukturgeschäfts im Industriesektor lassen die größeren Order weiter auf sich warten.

Bei Industrielösungen sanken Auftragseingang und Umsatz. Insgesamt sieht Siemens im Industriegeschäft aber Anzeichen einer Stabilisierung. In der Lichtsparte Osram verdiente der Konzern weiter gutes Geld, ebenso wie in der Industrieautomatisierung.

Industriesparte muss weiter kämpfen

Hier halfen auch geringere Kapazitäten und Kosteneinsparungen. Bei den erst spät von einer Erholung profitierenden Geschäften wie der Antriebstechnik und Gebäudetechnik sei mittlerweile die Talsohle erreicht.

In der Gesundheitssparte sieht Siemens mit der Verabschiedung der US-Gesundheitsreform etwas weniger Unsicherheit im Markt. Das habe die Investitionszurückhaltung der Kunden reduziert. Der Auftragseingang lag auf dem Niveau des Vorjahres. Ihren Profit steigerte die Sparte von 355 Millionen auf 492 Millionen Euro. Hier profitierte Siemens wie in den anderen Sparten auch von einem bereits zuvor angekündigten Pensions-Ertrag.

In den Schwellenländern zogen die Umsätze abermals an, in der Region Asien und Australien war es ein plus von zehn Prozent. In Amerika, Europa, Afrika und im Mittleren Osten sanken die Erlöse.

Bestellungen von Januar bis März leicht rückläufig

Bestellungen im Frühjahr 2010 leicht rückläufig

Die Bestellungen bei Siemens gingen von Januar bis März von 20,864 Milliarden Euro auf 17,844 Milliarden zurück. Im Vorjahr hatten allerdings allein Aufträge für Komponenten für Hochgeschwindigkeitszüge in China und ein Kraftwerks-Auftrag aus dem Irak die Orderbücher mit rund zwei Milliarden Euro gefüllt.

Der Umsatz sank von 18,955 Milliarden Euro auf 18,227 Milliarden. Das Sektorenergebnis, in dem sich das Ergebnis der drei Kerngeschäftsfelder Industrie, Energie und Gesundheit widerspiegelt, stieg von 1,844 Milliarden Euro auf 2,138 Milliarden Euro.

Unterm dem Strich stand ein Gewinn von 1,498 Milliarden Euro, rund die Hälfte mehr als vor einem Jahr. Mit seinem Zahlenwerk übertraf Siemens mit Ausnahme des Auftragseingangs für den Sektor Energie durch die Bank die Schätzungen der Analysten.

Wichtige Siemens-Rivalen wie die niederländische Philips Electronics, die US amerikanische General Electric  oder die Schweizer ABB haben bereits über das erste Quartal des Jahres 2010 berichtet. Siemens konnte im Vergleich weniger Aufträge als die Konkurrenten einsammeln, beim Umsatz schlugen sich die Münchener wie die meisten Konkurrenten.

Nur Philips konnte mehr erlösen. Bei der EBIT-Marge erreichte der deutsche Konzern mit 11,4 Prozent das beste Ergebnis der vier Unternehmen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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