BASF Hambrechts neue Zuversicht

Es läuft wieder bei BASF. Und auf der heutigen Hauptversammlung wird Konzernchef Jürgen Hambrecht den Aktionären diesen Aufwärtstrend nachdrücklich bestätigen. Die Kröte einer niedrigeren Dividende müssen die Eigner von Deutschlands Vorzeige-Chemiefirma dennoch schlucken - erstmals seit 16 Jahren.

Hamburg - Als die Finanz- und Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr ihren Höhepunkt erklomm, da sah Jürgen Hambrecht, Chef des weltgrößten Chemieunternehmens BASF  gerne rabenschwarz. Schlimme Zeiten sah er auf Deutschland und BASF zukommen. Vor Mitte, Ende 2010 sei nicht mit einer durchgreifenden Besserung der Konjunktur zu rechnen, sagte Hambrecht ("Ich bin Realist") im Mai 2009 im Interview mit manager magazin. Die Botschaft wog so schwer, dass Hambrecht danach eine längere Interviewpause einlegte; er wollte wohl nicht länger den notorischen Pessimisten geben.

Inzwischen hat er das nicht mehr nötig. Die Besorgnis ist einer neuen Zuversicht gewichen. Bereits Ende 2009 schoss der Absatz von BASF-Produkten deutlich hoch. Und seitdem geht es stetig nach oben. Auf der Hauptversammlung von BASF, die am Donnerstag in Mannheim stattfindet, wird Hambrecht diesen Aufwärtstrend ein weiteres Mal bestätigen.

Hambrecht kann den Aktionären verkünden, dass BASF die schwerste Branchenkrise seit Jahrzehnten schneller als erwartet überwunden hat. Die zeitweise von 80 auf 60 Prozent gesunkene Auslastung liegt konzernweit wieder bei über 70 Prozent, also nur noch knapp unter dem durchschnittlichen Niveau. Für 2010 plant Hambrecht bereits ein Umsatzplus, das über dem erwarteten Wachstum der Weltchemieproduktion von 5,3 Prozent liegen soll. Und auch der Gewinn soll in diesem Jahr die Kapitalkosten wieder übersteigen.

Ein Teil des Erfolgs beruht, so ist das bei BASF seit Jahren gute Sitte, auf Eigenleistung. Hambrecht hatte auf den Absatzeinbruch beherzt mit Stilllegung von Anlagen, Kurzarbeit und Personalabbau reagiert. Der eigentliche Schub allerdings rührt daher, dass die chinesische Wirtschaft mehr denn je brummt. So profitiert Deutschlands Vorzeige-Chemiefirma zurzeit etwa von der besonders heftigen Nachfrage nach Autos in dem asiatischen Boomland. BASF stellt Abgaskatalysatoren, Lacke oder Kunststoffe für Armaturenbretter her. Und auch in Südamerika entwickelt sich das Geschäft für BASF offenbar recht ordentlich.

Auch BASF hat die Krise nicht ohne Blessuren überstanden

Vieles ist gut gelaufen seit dem letzten Aktionärstreffen. Nach jahrelanger und zermürbender Auseinandersetzung hat die EU-Kommission vor einigen Monaten die im Genlabor von BASF gezüchtete Kartoffel Amflora für den Freilandanbau freigegeben. Das könnte der Durchbruch für ein Wachstumsgeschäft in Milliardendimension sein. Und auch über die Schweizer Neuerwerbung Ciba, für die Hambrecht unmittelbar vor der Lehmann-Brothers-Pleite noch einen Spitzenpreis gezahlt hatte, kann Hambrecht Gutes berichten. Jedenfalls ist das Unternehmen nahezu vollständig und erfolgreich in die Konzernabläufe integriert. Mittlerweile wird sogar schon wieder konkret über weitere Zukäufe nachgedacht.

Aktuell verhandelt BASF etwa über den Kauf der Spezialchemiefirma Cognis - das ist die ehemalige Chemiesparte des Düsseldorfer Henkel-Konzerns, die jetzt Finanzinvestoren gehört. Die Firma könnte rund drei Milliarden Euro kosten. Noch im Mai könnte BASF ein Angebot machen. Ein Zukauf würde in die von Hambrecht entwickelte Konzernstrategie passen, wonach sich BASF stärker auf Produkte für Spezialanwendungen konzentrieren will.

Bei allem Erfolg, auch BASF hat die Krise nicht ohne Blessuren überstanden. Auch dafür muss Hambrecht den Aktionären am Donnerstag Rede und Antwort stehen. Erstmals seit 16 Jahren zahlt BASF weniger Dividende. Statt der 1,95 Euro pro Aktie für 2008 werden in diesem Jahr nur 1,70 Euro ausgeschüttet. Das liegt auch daran, dass Hambrecht bei der Portfoliobereinigung nicht vorangekommen ist. Nach wie vor lastet das Styrol-Kunststoffgeschäft, das BASF schon seit Jahren verkaufen will, auf dem Konzern. Ganz im Gegensatz zum US-Rivalen Dow Chemical . Dem gelang vor einigen Monaten der Verkauf der entsprechenden Sparte.

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