Kreditrating Finanzkrise erschüttert Portugal

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Portugals und neue Sparpläne der Regierung sorgen für große Unruhe im Land. 20.000 Menschen sollen sich an Streiks beteiligt haben, der öffentliche Nah- und Fernverkehr kam zum erliegen. Ministerpräsident José Sócrates gerät unter Druck.

Lissabon - Eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit und neue Streiks gegen die Sparpläne der Regierung haben Portugal kräftig erschüttert. Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte die Bonität für das hoch verschuldete Land am Dienstag von "A+" auf "A-". Gleichzeitig senkte die Ratingagentur Standard & Poor's ihr Rating für griechische Staatsanleihen von bisher "BBB+" auf ein Ramschniveau von "BB+".

Der öffentliche Nah- und Fernverkehr wurde unterdessen von einem Ausstand nahezu lahmgelegt. Bahn- und Busverkehr kamen nach ersten Medienbilanzen im ganzen Land nahezu völlig zum Erliegen. Vom Ausstand betroffen war auch der für Lissabon wichtige Fährverkehr auf dem Fluss Tejo. Die Streikbeteiligung lag nach Gewerkschaftsangaben zwischen 40 und 80 Prozent. 20.000 Menschen sollen sich danach an den Aktionen beteiligt haben. Die Postangestellten hatten am Montag einen viertägigen Streik begonnen. Die Verwaltungsbeamten des Parlaments wollten am Mittwoch die Arbeit niederlegen.

Die Börse in Lissabon stürzte zum Handelsschluss um 5,36 Prozent ab. Die Sorgen um Portugal drückten auch den deutschen Leitindex Dax um 2,73 Prozent nach unten. "Die Herabstufung um zwei Noten reflektiert die vergrößerten haushaltspolitischen Risiken", sagte der zuständige S&P-Länderanalyst Kai Stukenbrock. Der Ausblick für das Rating bleibe negativ.

S&P teilte mit, der negative Ausblick signalisiere weitere Herabstufungen, falls die Konsolidierung nicht gelinge. Trotz der Reformen im öffentlichen Sektor bleibe der Haushalt schwach. Die portugiesische Regierung müsse daher Sparmaßnahmen ergreifen, die über die bisher getroffenen Maßnahmen hinausgingen. Zudem blieben die Aussichten für das Wirtschaftswachstum düster. Die portugiesische Wirtschaft werde im laufenden Jahr trotz der weltweiten Konjunkturerholung stagnieren. Die Minderheitsregierung könnte Schwierigkeiten haben, die angestrebten Reformen umzusetzen.

Die sozialistische Minderheitsregierung von Ministerpräsident José Sócrates von will mit einem strikten Sparprogramm das Rekord- Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 8,5 Prozent im laufenden Jahr und auf 2,8 Prozent bis 2013 drücken. Projekte wie die Hochgeschwindigkeitsbahn nach Spanien werden um zwei Jahre verschoben. Durch Privatisierung von Staatseigentum erhofft man sich in Lissabon zusätzliche Einnahmen von sechs Milliarden Euro.

manager magazin mit Material von dpa-afx

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.