Goldman Sachs "Dann können wir nicht überleben"

Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs, hat vor dem Untersuchungsausschuss des US-Senats die erhobenen Betrugsvorwürfe scharf zurückgewiesen. Den Sündenbock will der 55-jährige Investmentbanker nicht geben: Blankfein kämpft um seinen eigenen Ruf und den der gesamten Branche.

Washington - "Wir haben sicherlich nicht gegen unsere Kunden gewettet", sagte Bankchef Lloyd Blankfein in seiner Stellungnahme. Er widersprach damit dem Ausschussvorsitzenden Carl Levin, der es als erwiesen ansieht, dass Goldman Sachs 2007 auf fallende Häusermärkte setzte, während die Bank ihren Kunden weiterhin Hypothekenpapiere verkaufte.

"Goldman Sachs ging es gut, als ihre Kunden Geld verloren", sagte Levin. Beim Platzen der Immobilienblase wurden die Anlagen über Nacht praktisch wertlos.

Seit knapp zwei Wochen belastet der Betrugsvorwurf die komplette Bankenlandschaft. Andere Institute hatten ähnliche Finanzprodukte aufgelegt. Befürchtet werden teure Schadenersatzklagen und eine härtere Regulierung. Bei Goldman Sachs sind bereits die ersten Klagen eingegangen.

"Wenn unsere Kunden glauben, dass wir ihr Vertrauen nicht verdienen, dann können wir nicht überleben", sagte Blankfein.

Die US-Börsenaufsicht SEC hatte vor rund zwei Wochen Klage gegen Goldman Sachs  eingereicht. Sie wirft der Bank vor, mehrere Kunden hinters Licht geführt zu haben. Einer der Geschädigten soll die deutsche Mittelstandsbank IKB gewesen sein. Allein hier soll der Schaden bei 150 Millionen Dollar liegen. Ihr hochriskantes Engagement am US-Häusermarkt hatte das Düsseldorfer Institut fast umkippen lassen. Der Steuerzahler musste einspringen.

"Fabulous Fab" weist alle Anschuldigungen von sich

"Fabulous Fab" weist alle Anschuldigungen von sich

"Ich weise die SEC-Anschuldigungen kategorisch zurück", sagte Goldman-Sachs-Banker Fabrice Tourre. Er hatte das komplexe Geschäft eingefädelt und sich in internen E-Mails seiner eigenen Genialität gerühmt. "Die Transaktion war nicht derart gestaltet, dass sie scheitern musste."

Weder er persönlich noch Goldman Sachs hätten Anleger in die Irre geführt, sagte der inzwischen zwangsbeurlaubte Manager. Tourre erklärte, die IKB sei auf dem Gebiet der verbrieften Hypothekenkredite eine der erfahrensten Investoren der Welt gewesen. Das Finanzprodukt sei entgegen der Anklage nicht absichtlich so zusammengestellt worden, dass es an Wert verlieren sollte. Goldman habe zudem kein wirtschaftliches Interesse an einem Wertverfall gehabt.

Goldman Sachs gehört zu den absoluten Spitzenverdienern der Branche und zu einem der renommiertesten Häusern der Wall Street. Selbst in der Krise schrieb die Bank nach einem kurzen Einbruch schnell wieder Milliardengewinne. Das machte sie zum bevorzugten Ziel von Branchenkritikern. Viele Banker sprechen von einem politisch motivierten Verfahren.

John McCain: "Goldman Sachs hat unmoralisch gehandelt"

"Goldman Sachs hat unmoralisch gehandelt"

"Es ist keine Frage, Goldman Sachs hat unmoralisch gehandelt", sagte Senator John McCain aus Arizona. Bankchef Blankfein warb um Verständnis: "Ich verstehe, wie eine solche komplizierte Transaktion für manche Menschen aussehen muss. Sie fühlen sich bestätigt in ihrer Annahme, dass die Wall Street außer Kontrolle geraten ist."

Die Krise hatte die Investmentbanken in Verruf gebracht. Es bildete sich der Stereotyp des gierigen Bankers heraus, der um seiner eigenen fetten Boni willen mit windigen Geschäften die gesamte Wirtschaft in den Abgrund reißt. Tatsächlich würden seine Mitarbeiter aber etwa der Regierung helfen, Geld für Schulen oder Straßen aufzutreiben, sagte Blankfein.

US-Präsident Barack Obama versucht derzeit, seine Finanzmarkt-Reform voranzutreiben, mit der er die Banken zügeln und die Verbraucher schützen will. Die Branche und die oppositionellen Republikaner stehen dem Vorhaben aber kritisch gegenüber, weil sie zu starke staatliche Eingriffe befürchten. Erst am Montag musste Obama einen Rückschlag im Senat hinnehmen.

Blankfein stellte sich ausdrücklich hinter eine Finanzmarkt-Reform, die für mehr Transparenz sorgt. Er lehnte aber ein Verbot bestimmter Anlageformen ab. Vor allem die sogenannten Derivate waren in der Krise in Verruf geraten, hatten sich doch viele Investoren mit den teils sehr kompliziert aufgebauten Finanzprodukten verspekuliert.

manager magazin mit Material von dpa-afx

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.