Josef Ackermann Wahlkampfhelfer wider Willen

In knapp zwei Wochen wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün deutet sich ein Fotofinish an. Mit dem heute präsentierten Milliardengewinn könnte Deutsche-Bank-Primus Josef Ackermann einer Farbkombination zu den entscheidenden Siegmillimetern verhelfen.
Von Arne Stuhr

Wenn an Rhein und Ruhr zu den Wahlurnen gerufen wird, ist Wirtschaftspolitik immer ein zentrales Thema - Nordrhein-Westfalen ist schließlich die industrielle Herzkammer Deutschlands. Nur während es in der Vergangenheit eher um Arbeitsplätze bei Opel oder Nokia ging, könnte dieses Jahr ein ganz anderer Wirtschaftszweig den Ausschlag geben, wo die Bürger von NRW am 9. Mai ihr Kreuzchen machen werden: die Finanzindustrie.

An dieser Stelle kommt Josef Ackermann ins Spiel. Der Deutsche-Bank-Chef, dessen schwerste Monate seiner Karriere - Stichwort Mannesmann-Prozess - untrennbar mit der Landeshauptstadt Düsseldorf verbunden sind, hat am heutigen Dienstag für das erste Quartal einen Milliardengewinn präsentiert. Und zwar nicht im Rahmen der Erwartungen, sondern mehr als nur den gerade im Westfälischen so beliebten Schnaps darüber.

Den größten Teil zum Prachtergebnis steuerte erneut das Investmentbanking bei, also genau der Geschäftsbereich, der nicht von wenigen als zumindest mitschuldig am Beinahekollaps der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB gemacht wird. Drei Tage nach der NRW-Wahl soll Ackermann sogar im Prozess gegen den ehemaligen IKB-Chef Stefan Ortseifen als Zeuge aussagen. Dass der Prozess ausgerechnet von Brigitte Koppenhöfer, der damaligen Richterin im ersten Mannesmann-Prozess, geleitet wird, sei nur als feine Ironie des Schicksals erwähnt.

Neben dieser zugegeben etwas lokalkolorierten Beziehung Ackermanns zu NRW könnten seine Investmentmilliarden aber auch wegen des bundespolitischen Impetus der Entscheidung zwischen Jürgen Rüttgers (CDU) und Hannelore Kraft (SPD) das Zünglein an der Waage spielen. Nicht nur von Hause aus wirtschaftsfeindliche Kreise ballen vor Wut über üppige Gewinne und damit begründete Bonuszahlungen an das Spitzenpersonal die Faust in der Tasche. Und dass nun ausgerechnet die - offenbar teilweise wieder hoch rentablen - Banken auch noch von etwaigen Hilfszahlungen an Griechenland profitieren könnten, bringt selbst für viele bürgerliche Wähler das Fass zum Überlaufen.

Natürlich soll und vor allem darf eine Deutsche Bank ihre Geschäftszahlen nicht aufgrund aktueller Umfragen oder Stimmungsbarometer in Richtung höherer Sozialkompatibilität trimmen. Angesichts der noch ausstehenden Entscheidungen über die künftige Regulierung der Finanzindustrie und deren Beteiligung an den Folgen der Krise, könnten aber viele Wähler in NRW durchaus der Versuchung erliegen, die schwarz-gelbe Bundesratsmehrheit zu kippen. Ackermann könnte somit seiner eh schon schillernden Karriere eine weitere Facette hinzufügen: die des rot-grünen Wahlkampfhelfers wider Willen.

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