Montag, 23. September 2019

China Keine Angst vor der neuen Supermacht

Das weltweite Wirtschaftsgefüge ist im Umbruch. China und andere asiatische Staaten holen kräftig auf, während die USA und Europa schwächeln. Die Mitglieder der manager-lounge sehen die führende Rolle des Westens gefährdet, geben aber auch Tipps, wie hiesige Unternehmen von der Entwicklung am besten profitieren.

Hamburg - China hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst und besitzt erstmals den größten Autoabsatzmarkt der Welt. Nicht nur diese beiden Fakten sprechen dafür, dass das riesige Land an die Spitze der stärksten Wirtschaftsnationen eilt. Schon bald werde Japan überholt, dann die USA, sagen Experten voraus. Doch bei aller Euphorie um China gibt es auch Gegenstimmen, die auf ein noch immer niedriges Pro-Kopf-Einkommen in dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Reich verweisen und vor einer gewaltigen Blase an den Aktien- und Immobilienmärkten warnen.

Hoch hinaus: Chinas Wirtschaft wächst und wächst - auch dank üppiger Konjunkturprogramme
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Hoch hinaus: Chinas Wirtschaft wächst und wächst - auch dank üppiger Konjunkturprogramme
Doch für die meisten Mitglieder der manager-lounge liegt China vorn. Laut einer Umfrage erwarten 29 Prozent der Befragten, dass die Chinesen schon bald die Nummer eins unter den Wirtschaftsnationen sein werden. Weitere 39 Prozent vermuten, dass es zwar noch eine Weile dauert, doch dann liege der asiatische Raum wirtschaftlich deutlich vor dem Westen. In eine andere Richtung denkt etwa ein Drittel der Mitglieder. 15 Prozent glauben, dass Chinas Wachstum überschätzt wird und die USA noch lange die Spitzenposition verteidigen. Und für weitere 16 Prozent trägt die Entwicklung in Asien die Züge einer Blase - der Westen bleibt laut ihrer Ansicht auf Dauer vorn.

Für Andreas Kluge-Rech vom Sportwagenhersteller Porsche ist dagegen klar: "China wird die Weltmacht im 21. Jahrhundert." Das Land zeige besonders durch seine politischen Machtstrukturen eine hohe Effizienz in strategischen Programmen. "Die europäischen Länder erinnern mich dagegen an die Zeiten der deutschen Kleinstaaten. Unsere fortbestehende Abhängigkeit von der zunehmend ermattenden Supermacht Amerika ist für uns in der Neupositionierung in der Weltwirtschaft mindestens hinderlich. Ein wichtiger Faktor spielt die strategische Zusammenarbeit mit Russland. Darin liegt der Schlüssel zu einer neuen europäischen Perspektive."

chinamanager 05/2010

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Auch für Wolfgang Griepentrog vom Beratungsunternehmen World Values ist Chinas Höhenflug nicht mehr zu stoppen. Der Westen solle auch gar nicht erst versuchen, diesen aufzuhalten, sondern auf die asiatischen Erfolgsfaktoren im globalen Wettbewerb angemessen reagieren. Es sei erstaunlich, dass beim Blick auf die neue Supermacht immer noch eher quantitative Aspekte des Wachstums im Fokus stünden. "Zu kurz kommt der Blick auf das qualitative Wachstum Chinas beziehungsweise der asiatischen Länder", so Griepentrog.

Chinas Bedeutung als Impulsgeber für Forschung, Entwicklung und Innovationen wachse: "Alle wichtigen Zukunftsfelder werden belegt, vom Weltraum bis hin zum lange vernachlässigten Umweltschutz. China ist nicht mehr nur der billige Massenproduzent, sondern entwickelt und produziert hochwertige, innovative Güter, eigene Markenprodukte - oder kauft ausländische Marken", sagt der Kommunikationsexperte.

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