Daimler-Chef Zetsche Erst die Arbeit und dann?

Den eigenen Vertrag um drei Jahre verlängert, seinen Vertrauten Wolfgang Bernhard zurück in den Daimler-Vorstand geholt und die Kooperation mit Renault eingetütet - es läuft zu Jahresbeginn für Dieter Zetsche. Jetzt müssen nur noch die Zahlen bei Mercedes und Co. wieder stimmen.
Von Arne Stuhr

Nein, viel gelacht hat Dieter Zetsche am heutigen Mittwoch in Brüssel nicht. Klar, für die Fotografen lugten unter dem charakteristischen Schnauzbart kurz die Zähne hervor. Zu mehr als dieser Pose reichte es aber nicht.

Die gesamte Pressekonferenz zuvor hatte der Daimler-Chef mit ernster, ja fast finsterer Miene über die Details der soeben besiegelten und von vielen Experten herbeigesehnten Kleinwagenallianz mit Renault berichtet. "Arbeit ist häufig der Vater des Vergnügens" zitierte Zetsche dann auch Voltaire.

Und Arbeit gibt es für ihn - ganz unabhängig von Renault - reichlich. Hatte ihm der Daimler-Aufsichtsrat (siehe manager magazin 4/2010) doch trotz einer Verlängerung seines Vertrags um drei Jahre Anfang März sehr deutlich gesagt, was er von ihm erwartet. "Die Ergebnisse sind jämmerlich", lautete die unmissverständliche Analyse eines Aufsehers.

Das klingt nicht wirklich danach, als ob Zetsche auf sein Millionensalär neben der Einkommen- auch bald Vergnügungssteuer abführen darf. Klafft doch nach der mit Rabatten gepushten Einführung des einstigen Margenbringers E-Klasse eine hässliche Lücke was neue, wirklich wichtige Modelle betrifft. Erst in anderthalb Jahren soll die neue B-Klasse vorgestellt werden.

Welches Klima zu solchen strategischen Fehlplanungen führen konnte, wurde klar, als Zetsche am Mittwoch gefragt wurde, was Daimler  aus dem Scheitern der "Hochzeit im Himmel" mit Chrysler gelernt habe. Man habe damals vor der Fusion überhaupt nicht über konkrete Inhalte der Zusammenarbeit gesprochen, räumte Zetsche ein, um sich dann noch etwas später von Renault-Vormann Carlos Ghosn die Binse "Größe allein ist keine Lösung" anhören zu müssen.

Auf der Hauptversammlung in einer Woche wird Zetsche den Daimler-Aktionären darlegen müssen, wie er vor allem das Ergebnis der Kernmarke Mercedes steigern will. Er wird dabei sicherlich nicht nur versuchen, das Image des "guten Sterns aus Stuttgart", sondern auch das eigene Ansehen aufzupolieren. Die Chancen, dass ihm das trotz aller Probleme gelingen könnte, sind mit dem heutigen Tage zumindest nicht schlechter geworden.

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