Wieandt-Rücktritt Kardinal Richelieus Flucht

Der Chefposten bei der Hypo Real Estate war Axel Wieandts große Chance, sich als Topbanker zu beweisen. Sein übereilter Rückzug stellt dies nun in Frage.
Von Ulric Papendick

HRE-Insider hatten schon länger damit gerechnet: Axel Wieandt (43), Vorstandschef des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), tritt ab. Der frühere Leiter der Strategieabteilung der Deutschen Bank, erst im Oktober 2008 zum Chef der skandalgeschüttelten HRE gekürt, verlässt die Bank "auf eigenen Wunsch" - die übliche Formulierung bei einem vorzeitigen, nicht ganz harmonischen Abtritt.

Zwei Gründe dürften Wieandt zu dieser Entscheidung bewogen haben. Der erste: Spätestens seit der kompletten Verstaatlichung der HRE im Oktober vergangenen Jahres musste der Topmanager wichtige Entscheidungen nicht nur mit seinem Aufsichtsrat, sondern auch mit dem Chef des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin, Hannes Rehm, abstimmen. Nachdem der Staat die HRE mit rund 100 Milliarden Euro Staatshilfen und Garantien vor dem Untergang bewahrt hatte, wollte er als alleiniger Aktionär genau wissen, wie die Strategie zur Rettung der Skandalbank aussehen sollte. Eigentlich wenig verwunderlich. Den ehrgeizigen Wieandt soll diese Bevormundung indes schon länger genervt haben.

Das zweite Motiv für seinen Rücktritt dürfte Wieandts Unzufriedenheit mit der Bezahlung als Bankchef gewesen sein. Bei seinem Antritt Ende 2008, berichten Insider, habe der damalige HRE-Aufsichtsratschef Klaus Pohle Wieandt ein Gehaltspaket in Aussicht gestellt, das in etwa den Bezügen seines Vorgängers Georg Funke entsprach. Der als HRE-Primus grandios gescheiterte Funke verdiente zwischen 2 und 3 Millionen Euro im Jahr. Nachdem klar wurde, dass die HRE nur durch eine Verstaatlichung gerettet werden konnte, wurde Wieandts Gehalt auf eine halbe Million Euro limitiert. Allerdings erhielt er zum Ausgleich eine einmalige Sonderzahlung von einer weiteren halben Million Euro.

Wenig Freiheitsgrade und eine - zumindest aus Sicht eines Topbankers - miserable Bezahlung dürften dazu geführt haben, dass es Wieandt irgendwann reichte. Dass er seinen Job ausgerechnet einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz hinwarf, verwundert trotzdem.

Denn bei der Deutschen Bank genoss Wieandt zwar den Ruf eines brillanten Analytikers, doch galt er als wenig charismatisch, ohne echte Führungsqualitäten. "Kardinal Richelieu" hatten ihn die Kollegen getauft. Der Topjob bei der HRE war deshalb Wieandts große Chance, zu beweisen, dass er nicht nur in der Stabsabteilung, sondern auch an der Spitze einer Bank reüssieren kann. Der eilige, offenbar unvorbereitete Abtritt stellt dies nun in Frage.

Wieandt soll eine Zusage von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann haben, dass er zum Frankfurter Branchenprimus zurückkehren könne. Ob dies auch im Falle eines fluchtartigen Rückzugs gilt, ist allerdings nicht bekannt.

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