Donnerstag, 17. Oktober 2019

Vergreisung Zeitbombe für den Euro

3. Teil: Vorteil Schwellenländer

In den Schwellenländern könnten die Staatsschulden laut einer Studie der Deutschen Bank zumindest bis zum Jahr 2020 deutlich sinken und nicht mehr wie heute bei 46 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sondern bei etwa 35 Prozent liegen.

Protest: Viele Bürger akzeptieren ein späteres Renteneintrittsalter nicht
DDP
Protest: Viele Bürger akzeptieren ein späteres Renteneintrittsalter nicht
Auch jenseits des Atlantiks scheint die Lage entspannter zu sein. "Die USA haben den Vorteil, dass ihre Gesellschaft weniger schnell altert, weil es mehr Einwanderung gibt", urteilt der britische Historiker und Euro-Kritiker Niall Ferguson. Europa habe dagegen große Probleme. Eine gemeinsame Währung funktioniere eben nur, wenn sich keines der Mitgliedländer übermäßig verschuldet.

"Das ist aber im Euro-Raum schwierig, nur schon weil die Mitgliedstaaten Bevölkerungen haben, die unterschiedlich schnell altern, und weil sie ihren Bewohnern unterschiedlich große Altersrenten versprochen haben", gibt der Brite zu bedenken. "Diese Ungleichheiten gab es immer, aber erst die weltweite Finanzkrise hat sie zutage gebracht."

So ist es denn auch längst nicht nur die reine demografische Entwicklung, in der sich die Problemschwere in den einzelnen Staaten unterscheidet. In Frankreich kommt zu den Kosten für die Überalterung der Gesellschaft der hohe Anteil allgemeiner Staatsausgaben hinzu. In Malta drohen laut der EU-Kommission hohe Kostensteigerungen für die medizinische Behandlung alter Menschen, in den Niederlanden wiegt die Langzeitpflege besonders schwer. Der Ruf nach einer einheitlichen Wirtschafts- und Sozialpolitik in Europa ist auch in diesen Unterschieden begründet. In Spanien wachsen die Rentenansprüche besonders stark.

Einig sind sich die meisten Demografie-Experten jedenfalls darin, dass längst nicht nur die derzeit verschrieenen Piigs Länder am Rande Europas in die Schuldenfalle rennen. "Unsere Analyse zeigt, dass auch große Industrienationen in Zukunft mit Staatsschulden von über 100 Prozent leben müssen, sofern sie nicht in naher Zukunft merklich fiskalpolitisch gegensteuern", heißt es bei der Deutschen Bank.

Auf ein einheitliches Rezept gegen die drohende ausufernde Verschuldung wollen sich die Experten nicht festlegen. Zwar ist in den meisten Studien von Leistungskürzungen die Rede. Steuererhöhungen könnten in vielen Staaten jedoch ebenfalls einen Beitrag leisten. Auch in Deutschland hält beispielsweise die EU-Kommission dies für möglich.

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