Freitag, 18. Oktober 2019

Vergreisung Zeitbombe für den Euro

2. Teil: Schuldenquote von bis zu 884 Prozent

Trauriger Spitzenreiter in der Horrorprojektion ist - wenig überraschend - Griechenland mit einer Verschuldung, die auf das gigantische Maß von 884 Prozent der Wirtschaftsleistung anwächst. Knapp dahinter folgt bei den Euro-Zonen-Mitgliedern Irland mit einer Quote von kaum weniger bescheidenen 848,5 Prozent. Slowenien bringt es auf 831,6 Prozent.

Zersetzung droht: Tun die Regierung nichts gegen die wachsenden Lasten aus der Überalterung, gerät der Euro unter Druck
Aktuell liegen die Höchstwerte in der Euro-Zone um die 100 Prozent (Griechenland, Belgien, Italien). Laut Maastrichter Vertrag sollen die Mitgliedstaaten der Währungsunion in wirtschaftlich normalen Zeiten nur Verbindlichkeiten in Höhe von 60 Prozent anhäufen.

Deutschland steht laut der EU-Studie dank mancher Reformen wie der Rente mit 67 etwas besser da. Die Kommission taxiert die Schuldenquote für 2060 auf "nur" 318,9 Prozent. Wie die anderen Euro-Staaten leidet aber auch die Bundesrepublik in zunehmendem Maße darunter, dass die Ausgaben für Renten, Pflege und Gesundheitssystem in die Höhe schnellen.

Zwar taugen die Zahlen aus der EU-Studie kaum als realistische Annahmen für den tatsächlichen Schuldenstand einzelner Länder in 50 Jahren. Schreiben sie doch lediglich den Status quo fort: Der Umfang der Leistungen und Investitionen, die nichts mit der alternden Gesellschaft zu tun haben, bleiben in dem Szenario konstant, ebenso die Staatseinnahmen. Vor allem lassen die Autoren den politischen Rahmen in ihrem Modell gänzlich unverändert und gehen davon aus, dass die Regierungen nichts gegen die Folgen des Alterungsprozesses der Gesellschaft tun.

Als reines Rechenexempel mach das Szenario damit jedoch umso deutlicher, was eben passiert, wenn nichts passiert: Die Schulden explodieren, was gemessen an den heutigen Maßgaben der Ratingagenturen eine implodierende Gemeinschaftswährung zur Folge haben dürfte. Dagegen müssen manche außereuropäischen Industriemächte wie Japan viel weniger gegen die Alterung tun, wie beispielsweise die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ermittelt.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung