Griechenland-Krise Ackermann warnt vor Milliardenkosten

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnt vor dramatischen Folgen eines Bankrotts Griechenlands. Heimische Geldhäuser hätten "Milliarden im Feuer". Dass Spekulationen mit CDS-Papieren schuld an der Krise seien, wies Ackermann zurück. Die Vorschläge von US-Regierungsberater Paul Volcker gehen für ihn in "die falsche Richtung".

Frankfurt am Main - "Deutsche Banken haben beträchtliche Milliarden im Feuer gegenüber dem Land", sagte Ackermann am Mittwochabend bei einer Veranstaltung. Sein eigenes Haus nahm er dabei allerdings ausdrücklich aus.

Angesichts der potenziellen Auswirkungen auf die Branche sprach sich Ackermann dafür aus, dass der hoch verschuldete Staat notfalls gerettet werden müsse. "Wenn wir Griechenland nicht stabilisiert bekommen, werden die Banken das nächste Problem haben." Zunächst müsse die Regierung in Athen ihre Hausaufgaben machen und den Haushalt aus eigener Kraft sanieren.

Drittgrößter Gläubiger

Deutsche Finanzinstitute sind nach offiziellen Zahlen mit einem Engagement von 43 Milliarden Dollar der drittgrößte Gläubiger Griechenlands. Besonders stark betroffen sind Staatsfinanzierer wie die Commerzbank-Tochter Eurohypo und die Hypo Real Estate.

Ackermann hat das Engagement der Deutschen Bank  wiederholt als "sehr gering" bezeichnet.

Die Euro-Länder haben verabredet, Griechenland bei unmittelbar drohender Zahlungsunfähigkeit beizuspringen. Sie haben aber bislang keine Hilfen konkretisiert. Sie setzen vor allem darauf, dass die Regierung mit ihrem rigiden Sparkurs wieder das Vertrauen der Investoren zurückgewinnt.

"Spekulanten sind nicht schuld an der Krise"

Deutsche-Bank-Chef Ackermann wies am Mittwoch den Vorwurf zurück, Spekulanten seien der Grund für die Krise in Griechenland. "Die Reaktion mancher Politiker legt eine Verwechslung von Ursache und Wirkung nahe", betonte er.

Die Bundesregierung und andere Staaten wollen spekulative Geschäfte mit so genannten Kreditausfallversicherungen (CDS) stark einschränken. Nach ihrer Ansicht hat der Handel mit diesen Papieren die Probleme Griechenlands verschärft, indem Spekulanten auf einen Staatsbankrott gewettet haben und so die Zinsen für Anleihen weiter gestiegen sind. "Es bedurfte nicht des CDS-Marktes, damit Investoren ein Haushaltsdefizit von zwölf Prozent als nicht nachhaltig erkennen", hält Ackermann dagegen.

Vorschläge von Volcker "zu radikal"

Ohne die Möglichkeit einer Absicherung gegen Zahlungsausfälle mittels CDS müsse das Land heute noch mehr Zinsen zahlen. "Moderne Volkswirtschaften sind ohne moderne Finanzprodukte nicht denkbar", sagte der Schweizer. Ein Verzicht auf Finanzinstrumente wie CDS führe zu hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten. Mittels CDS-Papieren würden Risiken handelbar und bekämen damit einen Preis.

Ackermann warnte generell vor "Radikallösungen" als vermeintliche Allheilmittel zur Vermeidung künftiger Krisen. Auch die Vorschläge des US-Regierungsberaters Paul Volcker, riskante Bankgeschäfte zu verbieten und die Institute klein zu halten, gingen in die falsche Richtung. "Große Volkswirtschaften brauchen auch große Banken", sagte Ackermann. Er messe daher diesem Vorschlag kaum Erfolgschancen bei. Volcker selbst hat seine Pläne mittlerweile angesichts des heftigen Widerstands schon abgemildert.

manager-magazin.de mit Material von reuters