Umbau bei Metro Cordes unter Erfolgsdruck

Neues Spitzenpersonal, neue Strukturen, neues Logo: Metro-Chef Eckhard Cordes versucht, den Konzern umzukrempeln. Zu tun hat er damit mehr als genug. Doch was wird von dem Handelsriesen am Ende eigentlich übrig bleiben?

Was haben die Bundesligamannschaft des FC Bayern München und der Vorstand der Metro AG gemeinsam? Metro-Chef und Bayern-Fan Eckhard Cordes (59) weiß die Antwort: Beiden, so ließ er am Mittwoch wissen, gehöre je ein sehr erfolgreicher Franzose und ein ebensolcher Holländer an.

Der Franck Ribéry der Metro AG sei Joël Saveuse (57), der Arjen Robben des Konzerns sei Frans Muller (48).

Metro-Chef Cordes: Der Lenker des Düsseldorfer Handelsriesen hat der Metro einen umfassenden Konzernumbau verordnet und will dazu die wichtige Vertriebslinie Cash & Carry aufspalten. Das Ergebnis vor Sonderfaktoren soll mittelfristig um 10 Prozent pro Jahr zulegen - stärker als bislang erwartet. Dabei soll auch das Sparprogramm Shape helfen.

Metro-Chef Cordes: Der Lenker des Düsseldorfer Handelsriesen hat der Metro einen umfassenden Konzernumbau verordnet und will dazu die wichtige Vertriebslinie Cash & Carry aufspalten. Das Ergebnis vor Sonderfaktoren soll mittelfristig um 10 Prozent pro Jahr zulegen - stärker als bislang erwartet. Dabei soll auch das Sparprogramm Shape helfen.

Foto: DDP

Es ist bekannt, dass der unter starkem Erfolgsdruck stehende Metro-Chef gern zu abwegigen Vergleichen greift.

Eigentlich verbietet es sich schon, Bayern München und Metro überhaupt in einem Atemzug zu nennen. Denn der Fußballklub ist wohl eine Erfolgsgeschichte. Was man von der Metro  nicht unbedingt behaupten kann.

Der Vergleich der beiden Franzosen miteinander mag noch angehen. Saveuse ist der einzige gelernte Händler im fünfköpfigen Vorstand der Metro AG. Deutlicher ausgedrückt: Der für die SB-Warenhauskette Real zuständige Manager ist im Vorstand der einzige, der etwas vom Fach versteht.

Frans Muller mit dem Torjäger Robben auf eine Stufe zu stellen, mutet hingegen grotesk an. Der bisher weltweit für den Cash & Carry-Großhandel, das Stammgeschäft der Metro, verantwortliche Muller gilt als entscheidungsschwach. Er konnte den Abwärtstrend der Abholgroßmärkte in Deutschland, aber auch im übrigen Europa nicht umkehren. Ihm Anfang 2008 die Verantwortung für das weltweite Cash & Carry-Geschäft zu geben, hat sich längst als Fehler erwiesen.

Immerhin wird jetzt gehandelt, wenn auch nicht konsequent. Muller verliert die Verantwortung für Cash & Carry in Europa sowie Mittelost und Nordafrika. Hier, wo der Sanierungsbedarf am größten ist, ist künftig Saveuse gefordert. Muller bleibt allerdings für Asien und neue Expansionsregionen zuständig.

Die Metro-Personalentwicklung hat versagt

Diese halbherzige Lösung hat einen Grund: Saveuse kann im Vorstand nicht alles allein machen. Cordes und Metro-Großaktionär Haniel müssen heilfroh sein, dass sich der Franzose entgegen ursprünglicher Absicht nicht schon Ende 2010 in seine Villa am Mittelmeer zurückzieht, sondern noch drei Jahre dranhängt.

Dass Saveuse auf Vorstandsebene für Real zuständig bleibt, zeigt, wie dünn die Personaldecke bei der Metro AG ist. Dass es außer Saveuse offenbar keinen vorstandstauglichen Händler gibt, dokumentiert das Versagen der hauseigenen Personalentwicklung.

Ganz nebenbei korrigiert Cordes eine etwa eineinhalb Jahrzehnte alte Fehlentscheidung früherer Metro-Lenker. Das immer wie ein Fremdkörper wirkende grau-rote Logo der Metro Group wird kassiert. Der Schriftzug präsentiert sich künftig in Gelb und Blau, den Farben des Stammgeschäftes Cash & Carry. Äußeren Anlass für diesen Schritt bietet die Zusammenlegung der Holding Metro AG mit der Obergesellschaft des Großhandelsgeschäfts.

Rückbesinnung auf das eigene Können

Allerdings mag die Farbänderung auch ein Hinweis darauf sei, wohin bei Metro die Reise geht. Von den vier Sparten steht die Warenhaustochter Kaufhof - als strategisch für das Metro-Geschäft unerheblich - nach wie vor auf der Verkaufsliste. Real wird wohl - auch wenn Cordes dies bislang im Ungewissen lässt - veräußert. Und die unabhängig agierende Elektronikkette Media Markt/Saturn hat - ein eventueller Börsengang hin oder her - nie wirklich zum Konzern gehört.

Die Entscheidung für Gelb-blau bedeutet nichts anderes als die Rückbesinnung, die Refokussierung auf das Kerngeschäft Cash & Carry, das am Ende als einzige Sparte übrig bleiben könnte.

Der FC Bayern München hat schließlich, könnte Cordes sagen, auch nie etwas anderes gemacht als das, was er wirklich kann: Fußball spielen.