Crash-Furcht "Die Angst vor dem Euro-Ende ist völlig übertrieben"

Die Welt starrt erschrocken auf die Notfallhilfe für Griechenland. Joachim Faber, Chef der Investmentsparte des Versicherungsriesen Allianz, sagt deshalb im Gespräch mit manager magazin, warum gerade Staaten nicht mit ihren Finanzen tricksen sollten. Und wie spekulative Finanzattacken eingedämmt werden können.
Von Ulric Papendick

mm: Herr Faber, die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands und einiger anderer Euro-Staaten halten die Kapitalmärkte seit Wochen in Atem. Wie geht ein großer institutioneller Anleger wie Allianz Global Investors mit der Euro-Krise um?

Faber: Ich sehe überhaupt keinen Grund, Staatsanleihen südeuropäischer Euro-Mitglieder zu meiden. Griechenland zum Beispiel ist mit 5 Prozent im JPMorgan-Index für Staatsanleihen aus dem Euro-Raum enthalten. Wir würden griechische Bonds momentan nicht übergewichten, wir meiden sie aber auch nicht.

mm: Die Sorge, dass die Krise vielleicht doch noch nicht überstanden ist, teilen Sie demnach nicht?

Faber: Die Angst vor einem Ende des Euro ist doch völlig übertrieben. Diese Diskussion ist vielfach interessengeleitet. Vor allem außerhalb Europas wird zurzeit Stimmung gegen den Euro gemacht.

mm: Völlig zu Unrecht? Immerhin sieht die Lage in Griechenland und einigen anderen Staaten in der Tat nicht allzu gut aus.

Faber: Die Krise Griechenlands war nie ein ernsthaftes Problem für den Euro, und sie wird es auch nicht werden. Ich habe überhaupt keinen Zweifel, dass der Euro überleben wird.

mm: Woher nehmen Sie die Zuversicht?

Faber: Finanziell gesehen wäre es doch für Europa überhaupt kein Problem, Griechenland zu retten. Die Frage ist nur, wie die Glaubwürdigkeit der Euro-Währung als Stabilitätsgemeinschaft bewahrt werden kann.

mm: Was halten Sie von der Idee, einen Europäischen Währungsfonds (EWF) zu gründen?

Faber: Die EWF-Thematik führt zu der Frage zurück, wie glaubhaft solche Rettungsaktionen sind. Ich hätte es für eine gute Idee gehalten, den Internationalen Währungsfonds IWF einzuschalten. Der IWF kann die Forderung, Hilfsgelder nur zu gewähren, wenn zugleich harte Sparprogramme in Angriff genommen werden, sehr überzeugend vorbringen.

Deutsche Schuldenbremse beeindruckt Anleger

mm: Ein anderes Anliegen der EU-Politiker ist es, spekulative Attacken zu bekämpfen. Dabei haben sie vor allem den Handel mit Kreditausfallversicherungen, so genannten Credit Default Swaps (CDS), im Visier. Zu Recht?

Faber: Absolut. Vor allem der reine Handel mit Kreditderivaten sollte dringend besser reguliert werden. Die Forderung der amerikanischen Notenbank und der Europäischen Union, den Handel mit Kreditderivaten über die regulären Börsen zu leiten, muss endlich umgesetzt werden.

mm: Spekulative Attacken funktionieren andererseits nur, wenn es ein wirtschaftliches Problem gibt, auf dem sie aufsetzen können - siehe die desolate Lage in den hoch verschuldeten "Piigs"-Staaten.

Faber: Auch Deutschland hat in Folge der Finanzkrise einen ziemlich hohen Schuldenberg angehäuft. Und immerhin mussten weder in Griechenland noch in Italien oder Spanien die Regierungen einspringen, um ihre Banken zu retten. Allerdings hat Deutschland mit seinen gesetzlichen Vorgaben zur Schuldenbegrenzung ein deutliches Signal gesetzt, das von dem Kapitalmarkt sehr honoriert wurde. Eine solche klare Verpflichtung, den Staatshaushalt wieder in Ordnung zu bringen, fehlt bei den von Ihnen angesprochenen Ländern. In diesen Ländern gibt es tatsächlich einen erheblichen Reformbedarf und die Regierungen werden eine hohe Durchsetzungskraft brauchen, um diese Reformen umzusetzen.

mm: Welche Erfolgsaussichten geben Sie den Sparprogrammen dieser Länder?

Faber: Es wird ein harter Weg, aber warum soll es nicht funktionieren? Auch Deutschland war nicht immer nur der Musterknabe in Europa. Denken Sie nur an die Sparprogramme, die das Finanzministerium Anfang des neuen Jahrtausends durchsetzen musste. Da haben wir uns auch aus eigener Kraft aus einer schwierigen Lage befreit.

mm: Sehen Sie den Willen in Ländern wie Griechenland, derart harte Maßnahmen durchzusetzen?

Faber: Ja. Sie haben auch gar keine andere Wahl. Das Regelwerk von Maastricht wird die Griechen zwingen, sich zu disziplinieren. Im Übrigen halte ich Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou für absolut glaubwürdig. Sein jüngst vorgestelltes Sparprogramm imponiert mir.

mm: Papandreous Vorgänger haben lieber die Hilfe diverser Investmentbanken angenommen, um ihr Zahlenwerk zu schönen. Sind solche Aktionen unvermeidbar angesichts des Wettbewerbs am globalen Kapitalmarkt?

Faber: Das glaube ich nicht. Ein Staat sollte nicht alles in Anspruch nehmen, was der Kapitalmarkt anbietet, selbst wenn es vielleicht gerade noch legal ist. Die öffentliche Hand hat eine Vorbildfunktion, auch am Kapitalmarkt. Das gilt übrigens genauso für so manchen deutschen Stadtkämmerer, der dachte, er könnte das ihm anvertraute Vermögen besonders trickreich vermehren.

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