Sonntag, 5. April 2020

Frankreichs Kritik am Exportüberschuss Deutsche Wirtschaft wettert gegen Lagarde

2. Teil: "EU-Staaten haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht"

Deutschland sei kein Land, in dem der Staat Löhne oder Konsum festlege, sagte Steegmans. Die "Exportwirtschaft anzuhalten, dass sie unattraktive Güter herstellt, würde dem Wettbewerbsgedanken widersprechen".

Es müsse eher die Frage gestellt werden, wie andere Länder größere Exportanteile erreichen könnten. Steegmans erinnerte an US-Präsident Barack Obama, der in diesem Zusammenhang eine Initiative seines eigenen Landes für bessere Exportanteile bei den Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien gefordert hatte.

Auch der Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) wies Lagardes Forderung zurück. "Die deutschen Exporterfolge beruhen weder auf Lohndumping noch auf einer zum Nachteil der Handelspartner angelegte Wirtschaftspolitik", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf.

Er verwies darauf, dass die deutschen Lohnstückkosten im europaweiten Vergleich weiterhin zu den höchsten zählten. "Statt den schwarzen Peter Deutschland in die Schuhe zu schieben, sollten sich Staaten mit Wettbewerbsproblemen darauf konzentrieren, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit durch eine konsequente Reformpolitik und eine an der Produktivität orientierte Lohnpolitik zu verbessern."

Aus dem Wirtschaftslager äußerten sich Familienunternehmer kritisch. "Frau Lagarde liegt mit ihrer Kritik total daneben", sagte die Chefin des Verbandes Die Jungen Unternehmer, Marie-Christine Ostermann. Der Vorschlag sei "absurd". "Man kann doch einer Volkswirtschaft nicht vorwerfen, dass sie eine hohe Wettbewerbsfähigkeit besitzt. Es wäre fatal, wenn Deutschland seinen Exportüberschuss zurückfährt, nur weil andere EU-Staaten ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben."

Mittelstandvereinigung hält Frankreichs Forderung für "Unsinn"

Ausschließlich mit Unverständnis reagierte der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) auf die Forderung der französischen Finanzministerin. "Ich halte das, mit Verlaub, für Unsinn", sagte BVMW-Präsident Mario Ohoven. Deutschlands Exportüberschuss habe mit Lohndumping nichts zu tun, sondern sei ein Spiegel der hohen Produktivität und Innovationskraft der Unternehmen im Land. "Das macht unsere Maschinen auch für französische Unternehmen interessant", sagte Ohoven gegenüber manager magazin.

Deutsche Unternehmen stünden mit ihren Produkten nicht in einer Lohnkonkurrenz, sondern in einer Innovationskonkurrenz zu französischen Firmen. Im übrigen müsste auch Frankreich ein Interesse an einem wirtschaftlich starken Deutschland in Europa haben, zeigte sich Ohoven überzeugt. "Wir sind nicht nur Konjunkturmotor, sondern auch größter Nettozahler der EU."

mit Material von Nachrichtenagenturen

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