Mittwoch, 18. September 2019

Euro-Erweiterung Lauter kleine Griechenlands

2. Teil: "Man gibt den Bulgaren zu verstehen, bewerbt euch nicht"

Theoretisch könnten auch Polen und Tschechien schon jetzt diesen Schritt wagen. In Westeuropa machen sich Dänemark und Island auf den Weg in die Euro-Zone, Schweden könnte folgen.

Fingerzeig der EZB: "Blockade durch die Hintertür"
Doch den etablierten Mitgliedern der Euro-Zone wird das schnelle Wachstum angesichts ihrer jetzt schon großen innerlichen Zerrissenheit und der Spekulationen gegen den Euro unheimlich. "In dieser Phase der Nervosität ist es sicher nicht das richtige Signal, weitere Länder in die Euro-Zone aufzunehmen, die nicht über sämtliche Zweifel erhaben sind", sagt Ökonom Rolf Langhammer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. "Die Märkte würden es nicht verstehen."

"Bei weiterer wenig genauer Prüfung könnten wir noch mehrere Griechenlands bekommen", meint auch Osteuropa-Experte Gunter Deuber von der Deutschen Bank. Das lasse sich auch nicht verhindern, wenn die Regeln der Währungsunion befolgt würden. Stattdessen werde nun eine "Blockade durch die Hintertür" betrieben: "Man gibt den Bulgaren zu verstehen, bewerbt euch nicht." Die bulgarische Zeitung "24 Tschassa" empört sich schon: "Wegen der Nachbarn läuft uns der Euro weg."

Die Balten, die Bulgaren, die Polen - sie alle haben auf klare Regeln vertraut, die nun nichts mehr gelten sollen, die im Maastrichter Vertrag festgelegten Prüfsteine:

  • das jährliche Haushaltsdefizit darf nicht 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts übersteigen
  • die insgesamt angehäufte Staatsverschuldung muss unter 60 Prozent liegen
  • die Inflationsrate darf die der drei stabilsten Euro-Länder um maximal 1,5 Prozentpunkte übersteigen
  • der langfristige Zinssatz um 2 Prozent
  • und das Land muss zwei Jahre lang dem Wechselkursmechanismus II angehören.

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