Opel Wer macht den nächsten Schritt?

General Motors prescht vor. Auf 1,9 Milliarden Euro verdreifacht der US-Konzern seinen Beitrag für die Sanierung der deutschen Tochter Opel. Nun sind die Regierungen von Bund und Ländern sowie die Arbeitnehmer am Zug. Sie werden nicht umhinkommen, schmerzhafte Zugeständnisse zu machen, soll Opel überleben.

Hamburg - Den schwarzen Peter ist General Motors erst einmal wieder los. Monatelang hatte der Chef der deutschen Tochter Opel, Nick Reilly, betont, GM könne die Opel-Sanierung nicht stärker unterstützen, weil der US-Konzern mit Geld der US-Steuerzahler gestützt werde.

Nun erhöht der Autobauer aus Detroit auf einmal sein Engagement - und wartet gespannt auf ein neues Angebot der Gegenseite. "Jetzt hoffen wir dass dieses deutliche Signal als ein wichtiger Meilenstein in unserem Bemühen gesehen wird, mit Hilfe von Bürgschaften die noch verbleibende Finanzierungslücke überbrücken zu können", sagte Reilly.

Der Ball liegt plötzlich bei den Regierungen der europäischen Länder und der Bundesländer - sie sollen immerhin noch zwei Milliarden Euro zur Sanierung beitragen, die jetzt insgesamt 3,715 Milliarden Euro kosten soll.

Der Ball liegt aber auch bei den Arbeitnehmervertretern. Ihnen ist GM zwar auch entgegen gekommen, indem der Konzern sein Engagement verstärkte. Doch weiterhin beharren Belegschaft und Gewerkschaften auf der Position, das Werk in Antwerpen dürfe auf keinen Fall geschlossen werden. Zudem soll es im Zuge der Stellenstreichungen keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Manches von diesen Positionen dürfte bald Verhandlungsmasse werden.

Europaweit sollen dem Anfang Februar vorgestellten Sanierungsplan zufolge 8300 von derzeit 48.000 Stellen gestrichen werden. Auf Deutschland entfällt mit über 3900 Jobs fast die Hälfte des Stellenabbaus, doch die härtesten Auseinandersetzungen dürfte es um den Standort in Belgien geben. Die Schließung des Standorts Antwerpen würde zum Verlust von 2377 Stellen führen. "Ohne eine Lösung für Antwerpen werden wir Opel keinen Cent geben", hatte zuletzt der Vizechef des europäischen Opel-Betriebsrats, Rudi Kennes, betont.

Die Arbeitnehmervertreter würden zügig mit der Opel-Geschäftsleitung Verhandlungen über einen Beitrag der Belegschaft zum Sanierungskonzept aufnehmen, erwartet der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild. Der Vorstoß von General Motors sei "nicht die Lösung, aber die Grundlage für eine Lösung", sagte er gegenüber manager magazin. Zunächst seien jetzt aber die Regierungen am Zug.

GM treibt Keil zwischen die Belegschaften

Dabei sind die Gegensätze weiter groß. Bis heute schließen es sowohl die IG Metall als auch Opel-Betriebsratschef Klaus Franz offiziell aus, dass die Opelaner den zuletzt auf 265 Millionen Euro bezifferten Beitrag leisten, wenn mit dem Geld auch die Schließung des Antwerpener Werks finanziert wird. IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte noch vor einer Woche die Solidarität der europäischen Gewerkschaften in dieser Frage betont, Schild bekräftigt diese Position.

Doch wie wirkungsvoll ist der Keil, der General Motors nun womöglich zwischen die Belegschaften treibt? Nachdem das Unternehmen den ersten Schritt getan hat, geht Opel geht fest davon aus, dass die Arbeitnehmer einen Beitrag leisten, obwohl das Werk in Antwerpen geschlossen wird. Etwas anderes könnte Nick Reilly in Detroit kaum verkaufen, nachdem er bereits im Pokerspiel mit der Bundesregierung um den Sanierungsbeitrag von GM eingeknickt ist.

"Wir haben 2009 etwa 1,1 Millionen Autos hergestellt, zu guten Zeiten waren es 1,4 Millionen: Selbst wenn wir Antwerpen schließen, haben wir noch immer eine Kapazität von 1,5 Millionen Fahrzeugen", sagte Opel-Chef Reilly in Genf. "General Motors stärkt die Liquidität von Opel deutlich und sichert das Geschäft für das laufende Jahr - das ist ein starkes Signal an Regierungen, Mitarbeiter, Händler und Kunden", sagte ein Opel-Sprecher gegenüber manager magazin mit Blick auf den Arbeitnehmerbeitrag.

"Die Kernfrage ist jetzt nicht ein Standort in Belgien oder anderswo in Europa, sondern wie das Sanierungskonzept für Opel insgesamt aussieht", sagt IG-Metall-Bezirksleiter Schild. Erst müsse das unternehmerische Konzept feststehen, dann werde über die einzelnen Werke geredet. Sofern General Motors tatsächlich an der Schließung der belgischen Produktionsstätte festhalte, würden die Verhandlungen "schwierig". Es sei "in einer Marktwirtschaft einem Unternehmen unbenommen, einen Standort zu schließen". Arbeitnehmerbeiträge werde es dann aber nicht geben.

Doch die Finanzspritze aus den USA setzt die Arbeitnehmer unter Druck. Zwar kann sie niemand zwingen, den zuletzt genannten Beitrag von 265 Millionen Euro in die Sanierung einzubringen. Doch wenn der Staat eine Milliardensumme locker macht, um den Großteil der Belegschaft zu retten und General Motors aufstockt, wächst die Bringschuld. Die Schließung des Standortes in Antwerpen wäre womöglich die Kröte, die die Arbeitnehmer schlucken müssen - zumal Autoexperten landauf, landab die Überkapazitäten in der gesamten Branche wie auch bei Opel als eine Ursache der Autokrise ausmachen.

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