Freitag, 18. Oktober 2019

Opel Wer macht den nächsten Schritt?

2. Teil: GM treibt Keil zwischen die Belegschaften

Dabei sind die Gegensätze weiter groß. Bis heute schließen es sowohl die IG Metall als auch Opel-Betriebsratschef Klaus Franz offiziell aus, dass die Opelaner den zuletzt auf 265 Millionen Euro bezifferten Beitrag leisten, wenn mit dem Geld auch die Schließung des Antwerpener Werks finanziert wird. IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte noch vor einer Woche die Solidarität der europäischen Gewerkschaften in dieser Frage betont, Schild bekräftigt diese Position.

Doch wie wirkungsvoll ist der Keil, der General Motors nun womöglich zwischen die Belegschaften treibt? Nachdem das Unternehmen den ersten Schritt getan hat, geht Opel geht fest davon aus, dass die Arbeitnehmer einen Beitrag leisten, obwohl das Werk in Antwerpen geschlossen wird. Etwas anderes könnte Nick Reilly in Detroit kaum verkaufen, nachdem er bereits im Pokerspiel mit der Bundesregierung um den Sanierungsbeitrag von GM eingeknickt ist.

"Wir haben 2009 etwa 1,1 Millionen Autos hergestellt, zu guten Zeiten waren es 1,4 Millionen: Selbst wenn wir Antwerpen schließen, haben wir noch immer eine Kapazität von 1,5 Millionen Fahrzeugen", sagte Opel-Chef Reilly in Genf. "General Motors stärkt die Liquidität von Opel deutlich und sichert das Geschäft für das laufende Jahr - das ist ein starkes Signal an Regierungen, Mitarbeiter, Händler und Kunden", sagte ein Opel-Sprecher gegenüber manager magazin mit Blick auf den Arbeitnehmerbeitrag.

"Die Kernfrage ist jetzt nicht ein Standort in Belgien oder anderswo in Europa, sondern wie das Sanierungskonzept für Opel insgesamt aussieht", sagt IG-Metall-Bezirksleiter Schild. Erst müsse das unternehmerische Konzept feststehen, dann werde über die einzelnen Werke geredet. Sofern General Motors tatsächlich an der Schließung der belgischen Produktionsstätte festhalte, würden die Verhandlungen "schwierig". Es sei "in einer Marktwirtschaft einem Unternehmen unbenommen, einen Standort zu schließen". Arbeitnehmerbeiträge werde es dann aber nicht geben.

Doch die Finanzspritze aus den USA setzt die Arbeitnehmer unter Druck. Zwar kann sie niemand zwingen, den zuletzt genannten Beitrag von 265 Millionen Euro in die Sanierung einzubringen. Doch wenn der Staat eine Milliardensumme locker macht, um den Großteil der Belegschaft zu retten und General Motors aufstockt, wächst die Bringschuld. Die Schließung des Standortes in Antwerpen wäre womöglich die Kröte, die die Arbeitnehmer schlucken müssen - zumal Autoexperten landauf, landab die Überkapazitäten in der gesamten Branche wie auch bei Opel als eine Ursache der Autokrise ausmachen.

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