Samstag, 19. Oktober 2019

1,9 Milliarden Euro GM verdreifacht Finanzhilfe für Opel

Der US-Konzern General Motors erhöht seine Finanzierungszusage für die Sanierung von Opel von 600 Millionen auf 1,9 Milliarden Euro. Im Gegenzug erhofft sich GM staatliche Hilfszusagen. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz spricht von einer "guten Entscheidung von GM". Wirtschaftsminister Rainer Brüderle bleibt zurückhaltend.

Rüsselsheim - Die Finanzierungszusage von GM soll von der bisherigen Summe von 600 Millionen Euro auf 1,9 Milliarden Euro erhöht werden, teilte die Adam Opel GmbH am Dienstag in Rüsselsheim mit. Daraus ergebe sich auch eine deutliche Reduzierung der von den europäischen Regierungen erbetenen Kredit- und Bürgschaftszusagen

Opel-Produktion in Rüsselsheim: GM nimmt mehr eigenes Geld in die Hand
Bislang hatte GM 2,7 Milliarden Euro staatlicher Hilfen erbeten und war scharf kritisiert worden, weil der US-Konzern im Gegenzug nur 600 Millionen Euro selbst investieren wollte.

Die Summe erbetener Zuschüsse sinkt nun durch die Aufstockung des eigenen Anteils auf 1,4 Milliarden Euro. Der gesamte Bedarf zur Umsetzung des Plans zur Sicherung der Opel-Zukunft war bisher mit 3,3 Milliarden Euro angegeben worden.

Damit werde GM mehr als die Hälfte des Finanzierungsbedarfs tragen. Der Konzern will sowohl mehr Eigenkapital bereitstellen als auch neue Kredite aufnehmen.

"Jetzt hoffen wir, dass dieses deutliche Signal als ein wichtiger Meilenstein in unserem Bemühen gesehen wird, mit Hilfe von Bürgschaften die noch verbleibende Finanzierungslücke überbrücken zu können", sagte Opel- Chef Nick Reilly in der Mitteilung. GM-Chef Ed Whitacre sieht darin auch eine vertrauensbildende Maßnahme für die Verhandlungen mit den europäischen Regierungen.

Betriebsratschef: "Vertrauensbildende Maßnahme"

Die höheren Investitionen von General Motors in die Sanierung von Opel verbessern nach Einschätzung von Betriebsratschef Klaus Franz die Chancen auf Staatshilfen. "Das wird Vertrauen schaffen bei den Regierungen in ganz Europa, insbesondere bei Bundes- und Landesregierungen - da bin ich fest davon überzeugt. Ich denke, damit steigen die Chancen für staatliche Unterstützung", sagte Franz. Der Schritt sei eine überfällige und gute Entscheidung von GM.

Dem Betriebsratschef zufolge setzt sich die von GM am Dienstag angekündigte Finanzspritze über insgesamt 1,9 Milliarden Euro aus der Rückzahlung einer Tranche des Brückenkredits über 600 Millionen und weiteren 1,3 Milliarden Euro zusammen. Zuvor hatte GM lediglich angekündigt, als Sanierungsbeitrag den Brückenkredit an Bund und Länder zurückzahlen. Nun sei wichtig, dass ein großer Teil der Gelder als Eigenkapital zur Verfügung stehe, sagte Franz.

Der Betriebsratschef hatte von GM Investitionen von mindestens einer Milliarde Euro in Opel gefordert. "Ich hoffe, dass wir auf der Grundlage auch zu vernünftigen Lösungen über die Arbeitnehmerbeiträge kommen. Wir werden die Gespräche jetzt intensiv angehen", sagte Franz.

GM fordert von den Beschäftigten in Europa jährlich Lohnzugeständnisse über insgesamt 265 Millionen Euro. Die Beschäftigten dringen im Gegenzug auf Sicherheiten für ihre Beiträge - etwa eine Kapitalbeteiligung an Opel.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung